Was nicht im Reiseführer steht

gefahrene Kilometer: 2.735
Zeitraum: 15 Tage im August
Begegnungen mit Bären: 3 (vom Auto aus)
sonstiges Wildlife: Rentiere, Streifenhörnchen, Killerwale, Schlange, Seeadler, Fischotter, Robben
Höchsttemperatur: 33 Grad
Tiefsttemperatur: 2 Grad
Sonnentage: 12 von 14
Fortbewegung: Mietwagen und Fähre
Übernachtung: überwiegend im Zelt
Budget: sauteuer, wir haben es auf ca. 56 Euro Tagesbudget pro Nase gebracht
Gesamtbewertung: Schulnote 1,7

Weltreise Kanada

must-see:

Die Nationalparks Jasper und Banff sind wirklich traumhaft – vom Massentourismus mal abgesehen. Wem – wie uns – die Zeit für ein echtes Abenteuer in der Wildnis fehlt, kriegt hier aber dennoch einen guten Eindruck von der Weite und Schönheit dieses Landes.

Den nordamerikanischen Touristen scheint es ebenso zu gehen, jedenfalls schnappt man andauernd und überall deren Lieblingsadjektiv „amazing“ auf. Nach dem x-ten Gletscher, dem dreiundzwanzigsten See mit türkis-azurblau-grünem Wasser und dem einhundertachtundvierzigsten Wasserfall hat man dann aber doch den Eindruck eines Deja-vues. Das Tagesprogramm sieht morgen vor: Seen angucken und Gletscher bestaunen. Isn’t that amazing?

Ein eher unbekanntes landschaftliches Kleinod sind die „Meadows-in-the-sky“. Inmitten dieser subalpinen Bergwiesen im Revelstoke Nationalpark fühlt man sich ein wenig wie Heidi. Gleichwohl sollte man eine Umbenennung in „Mosquitos-in-the-sky“ erwägen. Wirklich übel diese fliegenden Blutsauger…

Butcharts Garden auf Vancouver Island ist nicht nur beim Eintrittsgeld ein Highlight. Besonders nachts ist der Park wunderschön illuminiert und fotogen. Das Feuerwerk, welches einer Choreographie folgt, ist wirklich einzigartig und wird von den Zuschauern bejubelt.

 

forget-it:

Was wurde uns von Vancouver und dem Stanley Park vorgeschwärmt. Vancouver rühmt sich damit, eine der lebenswertesten Städte der Welt zu sein. Von touristischer Seite betrachtet ist es maximal durchschnittlich. Wir werden mit dieser Stadt nicht richtig warm. Das kann auch daran liegen, dass unser Hotel auf der „East Hastings Street“ liegt. Auf diesem Straßenzug wimmelt es von Nutten, Junkies, Dealern, Kleinkriminellen und Obdachlosen. So oder so ähnlich stellt man sich die Bronx vor. Dieses Bild will gar nicht so recht zu der ach so lebenswerten Stadt passen.

 

top:

Also die Beschilderung von Sehenswürdigkeiten ist erste Liga. Allerdings gibt es Abzüge bei der B-Note, weil die Schilder abwechselnd (und ohne erkennbare Logik) mal auf die Entfernung bis zum Straßenabzweig und mal auf die Entfernung bis zum Ziel hinweisen.

Alleine in British Columbia gibt es 120 Visitor Centers, deren Mitarbeiter unglaublich freundlich und hilfsbereit sind. Ein Reiseführer wäre rausgeschmissenes Geld. Für die vielen Prospekte, die wir mitgenommen haben, mussten zwar einige Bäume ihr Leben lassen, aber die gibt es hier schließlich auch mehr als reichlich.

Kanadier sind sehr freundliche Zeitgenossen. Da bringt dir der Camper mit seinem dicken Motorhome von nebenan schon mal einen heißen Kaffee am Morgen. Scheinbar hat er dein blau angelaufenes Gesicht bemerkt, als du aus dem eiskalten Zelt krabbelst.

Es gibt einige Supermärkte, die eine recht ausgewogene Alternative zum Fast Food bieten und so haben wir uns einen Campingkocher zugelegt. Die kulinarischen Highlights bisher: Zweimal Chili-con-carne und einmal Pasta mit Shrimps an grünen Spargeln. McDonalds-Besuche in Kanada daher: Null.

Die Campingplätze sind alle sehr idyllisch im Wald gelegen und kosten zwischen 20 und 30 Dollar die Nacht. Auch wirklich lobenswert sind die vielen Picknick-Bänke an jeder Ecke und die wirklich erholsamen Rastplätze (sollte sich die deutsche Straßenmeisterei mal eine Scheibe von abschneiden…).

 

wunderlich:
Dem Deutschen Touristen will einfach nicht einleuchten, warum das Hinweisschild „Nächste Tankstelle: 150 Kilometer“ NACH und nicht VOR besagter letzter Tankstelle aufgestellt wird. Hätte der Umwelt einige Tourn-arounds erspart…

Speed-Limits: Die Kanadier haben Asphaltpisten breit wie Airport-Runways und schleichen meistens mit 80 bis maximal 100 Stundenkilometern auf ihrem Highway No. 1 durch die Landschaft.

Es gibt auch Campingplätze, die mit Elektrozaun gegen das Eindringen von Bären geschützt sind. Das ist zwar auf der einen Seite beruhigend, andererseits fühlt man sich wie im Hochsicherheitstrakt von Guantanamo Bay.

5 Gedanken zu „Was nicht im Reiseführer steht

  1. Silvie, 03 Sep 2011:
    Nachdem die Irmi mir beim Arbeiten mehrfach gesagt hat, ihr würdet diese Seite hier soooo toll machen, hab ich also gesucht. Google sei Dank findet man euch auch, wenn man die web. Adresse vergessen hat.. Es liest sich wirklich ausgesprochen witzig. Ich wünsch euch noch viel Spaß und weiterhin Begegnungen der besonderen Art, Silvie

  2. Irmgard, 02 Sep 2011:
    Ihr zwei Lieben, ihr schreibt wirklich super spannend, humorvoll und ich genieße es sehr euch auf eurer Tour zu begleiten. Jetzt hoffe ich, dass euch auch das übrige Amerika bei blauen Nasen zur Hilfe eilt und wünsch euch weiterhin ganz viel Spaß und gemeinsame schöne, spannende Tage. Nützt euren Campinkocher!!! Ich drück euch beide Irmgard

  3. Tilmann, 02 Sep 2011:
    Ich kann mich auf Euch verlassen! Der normale Rentner steuert morgens das Schlepptop an und so alle fünf Tage ist wieder was Neues im „Überraschungsei“, und vor allem die Mischung machts, Video und Stills, ernste und lustige Texte, Ihr macht das ganz toll! Die Erwartungen sind damit natürlich enorm! Das zu halten wird verdammt schwer werden. Aber ich weiß, es kommen auch noch dürre Zeiten, wenns kein w-lan gibt und so, oder nur die Steckdose zum Aufladen fehlt! Bin enttäuscht von Eurem Urteil über Vancouver, wo das doch eine der lebenswertesten Städte überhaupt sein soll. Muss also nicht da gewesen sein, Danke! Weiterhin eine Gute Reise, Euer Tilmann

  4. Mama, 02 Sep 2011:
    Hallo Ihr beiden ! Ich glaube ich melde das Fernsehen ab. Euere Berichterstattung ist spannender als jeder Fernsehfilm. Jedoch muss man aufpassen, dass man nicht den Tag vertrödelt und die Zeit vergisst. Vielen Dank für Euern ausführlichen Bericht und die traumhaft schönen Fotos, die Filmsequenzen ud die viele Mühe die Ihr aufbringt, um uns arme Daheimgebliebene zu unterhalten und bei Eurer Reise mental dabeisein zu lassen. Kümmere mich schon mal um ’nen Verleger und die Filmrechte ! Mama

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