Mit dem Tuk-Tuk-Guru auf Müllsafari

Durch Zufall geraten wir am traumhaften Strand von Nilaveli an Yogesh. Der Mann ist ein Multitalent: Tuk-Tuk Fahrer, Schmuckschnorchler, Yogalehrer, Fremdenführer, Kleinbauer und Geschichtenerzähler. Er will uns wilde Elefanten ganz in der Nähe zeigen. Spontan besteigen wir sein Tuk-Tuk und starten in ein kleines Abenteuer. Auf holprigen Staubstraßen fahren wir immer weiter in die herrliche Natur hinaus. Die Vorfreude steigt, als wir die letzte Abzweigung nehmen und uns dem Ziel nähern.

Die Szenerie, die sich dann allerdings vor unseren Augen ausbreitet ist unbeschreiblich. Mit runtergeklappter Kinnlade starren wir uns fassungslos und schockiert an, denn Yogesh steuert sein Tuk-Tuk geradewegs in eine riesige Müllkippe hinein. Der Müllgestank ist bestialisch und verursacht Brechreiz; zahlreiche Feuer brennen und vernebeln die Sicht. Und dann lichtet sich der Dunst und der erste Elefant taucht plötzlich vor uns auf. Yogesh stoppt das Tuk-Tuk, steigt aus und fällt betend auf die Knie. Sein Gebet soll die Elefanten besänftigen, damit sie uns nicht gefährlich werden können. Es ist ein surreales Bild: Der betende Guru auf den Knien, brennender Müll so weit das Auge reicht und mittendrin ein riesiger Elefant, der sich mit dem Rüssel den stinkenden Abfall einverleibt.

Wir haben unsere Sprache noch nicht wiedererlangt, als wir weitere Elefanten auf der Müllhalde erspähen. Über uns kreisen Adler. Rivalisierende Affen tragen ihre Revierkämpfe aus. Wilde Pfauen sitzen in den Bäumen. Sag mal geht’s noch? Mitten im Müll treibt sich die halbe Besatzung der „Wilhelma“ rum. Yogesh watet barfuß zwischen Spritzen, Glasscherben, Plastiktüten und Hausmüll umher, als wäre es ein Strandspaziergang. Ja, es erweckt sogar den Anschein, als störe ihn der Müll nicht im geringsten und als wäre er indiskutabler Bestandteil seiner natürlichen Umgebung.

Bernd und Yogesh vertreten sich noch etwas die Beine und pirschen sich näher an die Elefanten ran. Lena wartet im Tuk-Tuk und muss beinahe Kotzen.

Auf dem Heimweg rätseln wir, ob der Ausflug nun als Erfolg gewertet werden darf und wägen folgende drei Argumente ab: Erstens: Der Guru hat uns wilde Elefanten versprochen – dieses Versprechen hat er zu 100% eingehalten. Zweitens: Es war nicht die Rede davon, in welcher Umgebung wir die Tiere vorfinden würden. Drittens: You get what you pay. Eine Safari im Nationalpark kostet das vierfache. Die Backpackertour auf der Müllkippe schont das Budget und die Erwartungen sollten folglich um den Faktor 4 nach unten korrigiert werden.

Also tuk-tuken wir verwirrt, aber dennoch irgendwie zufrieden, wieder zurück. Yogesh zeigt uns noch ganz stolz sein kleines Stück Land und stellt uns seine Familie vor.

Wir bleiben auf zwei Tassen Tee und ein leckeres Curry bis es schließlich dunkel wird. Die Hütte, die seine Familie bewohnt, hat weder Strom noch fließendes Wasser. Der Gemüsegarten und die eine Milchkuh reichen fast zur Selbstversorgung aus. Nebenbei verdient der Guru ein Zubrot mit Touristen. Und wenn er grade keine Aufträge hat, dann schnorchelt er am Strand und sucht Schmuck, den Touris im Meer verloren haben. Wird sind beeindruckt von seiner Vielseitigkeit als Überlebenskünstler und denken noch lange darüber nach, wieviel es zum Glücklichsein braucht. Trotz des geringen Besitzes scheint der Mann zufrieden zu sein. Das sieht man ihm an, wenn er stolz seine Kuh an der Leine führt, oder wenn er vom nächtlichen Sternenhimmel über seiner halboffenen Schlafgelegenheit schwärmt.

3 Gedanken zu „Mit dem Tuk-Tuk-Guru auf Müllsafari

  1. Lena und Bernd, 10 Jun 2013:
    …Abenteuer-Lach-und Sachgeschichte..das ist gut. War echt irgendwie irre mit dem Typ und den Müllelefanten. Inzwischen sind wir im Hochland und werden die Gegend zu Fuß und natürlich mit Schlangenstock erkunden 😉 Herzlichste Grüße an Alle!!!

  2. Katrin Schwarz, 10 Jun 2013:
    Hallo ihr zwei, Neulich dachte ich, jetzt Schau ich mal in euren Reiseblog rein, und tatsächlich ihr seit wieder unterwegs. Das find ich klasse, das Fernweh hat euch gepackt. Spitze, schön das ihr die Möglichkeit habt und auch ein günstiges Ticket ergattert habt. Ich freu mich wieder auf meine Abendlektüre.:-) Wie lange seit ihr denn Unterwegs? Die Story mit den Elefanten ist echt der Knaller und die traurige Wahrheit. Viel Spaß euch weiterhin. Viele Grüße Katrin

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