Scharf, schärfer, Sri Lanka

Wir haben nur eine ungefähre Ahnung wann der Zug nach Puttalam in den Nordwesten Sri Lankas in etwa fahren müsste, also treffen wir frühzeitig um 07:30 Uhr am Bahnhof von Negombo ein. Als wir am Bahnsteig sitzen erleben wir einen Monsunregen biblischen Ausmaßes. Mehrfach schlägt der Blitz – begleitet von ohrenbetäubendem Donner – in unmittelbarer Umgebung ein. Es fühlt sich an, als würde jemand da oben Badewannen voller Wasser ausgießen. Viele Pendler sind bis auf die Unterwäsche naß, als sie den rettenden Bahnhof erreichen und in den Zug steigen.

da hilft kein Schirm mehr…

Wir harren der Dinge und staunen über solche Naturgewalten. Aus einer Stunde Verspätung werden schnell drei. Das freundliche Bahnpersonal kümmert sich aber rührend um uns. So dürfen wir u.a. die Personaltoilette benutzen und man bietet uns einen Regenschirm an, damit wir Frühstück auf der gegenüberliegenden Straßenseite besorgen können. Nach knapp fünf Stunden kommt auch schon der Zug, der Ticketkontrolleur ist erstaunt über unsere Gelassenheit.

Der Personenzug mit Güterbeförderung (wir transportieren neben den wenigen Fahrgästen unzählige Pakete und einen Kesselwagen mit Trinkwasser) hält etwa alle ein bis zwei Kilometer. Für die etwa hundert Kilometer lange Strecke benötigen wir noch einmal dreieinhalb Stunden. Wartezeit und Fahrzeit addiert, ergeben fast schon die 8000 Kilometer lange Flugstrecke Frankfurt – Sri Lanka. Wir müssen uns erst wieder an das Tempo des Schnecken-Express gewöhnen.

Bernd darf vorne auf der Lok mitfahren

Zum Sonnenaufgang am nächsten Tag werden wir von quietschenden Streifenhörnchen und exotisch schreienden Vögeln geweckt. Wir leihen uns Fahrräder, um die riesigen historischen Tempelanlagen von Anuradhapura zu erkunden. Der „Sri Maha Bodhi Tree“ gilt mit mehr als 2.000 Jahren als ältester historisch belegter Baum der Welt. Überwältigt von der Mystik dieses Ortes schlendern wir zwischen freundlichen Pilgern und skurillen Affen umher.

Die ganze Anlage erinnert uns von der Dimension ein wenig an Angkor Wat in Kambodscha. Statt tausender Touristen treffen wir hier aber gerademal vier Pärchen dieser Gattung. Zwischen den Ruinen und Stupas turnen Affen umher und grüne Papageien sitzen schnatternd in den Bäumen, während wir gemütlich durch die schattige Anlage radeln.

Körbeweise werden Lotusblumen als Opfer dargebracht. Diese beiden haben wir im Tausch gegen einen Kugelschreiber von Bernds Arbeitgeber bekommen 

Unterwegs treffen wir auf einen Schlangenbeschwörer. Gut, die Python um Bernds Hals ist ja noch harmlos. Man achte aber auf Bernds Blick, als der gute Mann die Kobras auspackt und ihm mit den Worten „not bite, not bite“ in die Hand drückt. Ein ekliges Gefühl, wenn das Vieh den Hals aufbläht, als wolle es Dir im nächsten Moment ins Gesicht springen und dich mit einer Giftinjektion niederstrecken…

Die Menschen sind so unglaublich freundlich und offen. In drei Tagen haben wir dutzende Male die gleiche Geschichte erzählt. Hundertfach wird uns ein Lächeln geschenkt, wir kommen aus dem Grüßen, Lächeln und Nicken gar nicht mehr heraus. Zum Abschluss eines aufregenden Tages geraten wir mitten in eine riesige Tempelzeremonie hinein. Hunderte Dorfbewohnern und unzählige Mönche sind mit Bussen angereist und zelebrieren ein buddhistisches Opferritual. Wir werden sofort eingeladen, das Schauspiel zu betrachten und finden uns inmitten von weiß gekleideten Gläubigen wieder. Die gewaltige Stupa wird mit einem dreihundert Meter langen roten Band umwickelt, welches zuvor in einer Prozession zum Tempel getragen wurde. Weit und breit kein Tourist zu sehen, dafür sind wir für viele die Attraktion.

Wie könnte der Tag schöner ausklingen als mit einem Berg gebratenen Reis mit ultra-scharfer Chilipaste, einem mit Chili gefüllten Omlett und einem Hühnchencurry, garniert mit (na jetzt ratet mal?) Chili? Kostet beim Straßenkoch um die Ecke gerade mal 1,90 Euro und von dem brennenden Gefühl in der Magengegend hat man bis zum Frühstück noch was über.

4 Gedanken zu „Scharf, schärfer, Sri Lanka

  1. Mama, 05 Jun 2013:
    Hallo Ihr beiden Schlangenbeschwörer ! Also was Regen anbelangt, sind wir inzwischen Experten. Deutschland ersoffen im Dauerregen. Jahrhunderthochwasser. Auch die Schussen ist über die Ufer getreten und hat die Erdbeer-und Kartoffeläcker geflutet. Aber jetzt ist es Sommer und wird täglich wärmer. Haben wir uns auch verdient. Ansonsten alles paletti. Bis bald Mama und Papa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.