TTT Tacos, Tempel und Tequila

Stunden durch Mexico im Überlandbus: 28
zurückgelegte Kilometer: 5.053
Zeitraum: 22 Tage im September und Oktober
Höchsttemperatur: immer heiß
Tiefsttemperatur: niemals zu kühl
Sonnentage: 17 von 21
Fortbewegung: Bus, Taxi, U-Bahn, Schiff, Flugzeug
Übernachtung: einfache Hotels und Hostels
Budget: inklusive Inlandsflug und fünf Tauchgängen sind wir mit 40 Euro pro Person und Tag ausgekommen
Gesamtbewertung: Schulnote 1,3 (ein wirklich großartiges Reiseland)

Weltreise Mexico

must-see:
In Yucatan gibt es tausende sog. „Cenotes“, das sind geflutete Tropfsteinhöhlen, die über unterirdische Flüsse miteinander vernetzt sind. Bei Tulum schnorcheln wir in der „Grand Cenote“ durch eine fantastische Unterwasserwelt. Ein märchenhafter Anblick, wenn die Wasserschildkröten zwischen den Stalaktiten durch das kristallklare Süßwasser paddeln und die kleinen Fischlein im Halbdunkel silber aufblitzen, wenn sie sich verspielt zur Seite drehen…

Die Tempel und Ruinen von Uxmal wachsen aus den Wipfeln des Dschungels empor und ermöglichen einen Blick über den endlos erscheinenden grünen Horizont. Die Anlage ist über 1.400 Jahre alt und wurde von den Maya erbaut. Im Gegensatz zu den anderen Anlagen von Teothiuacan oder Chichen Itza ist Uxmal aber weitaus weniger touristisch. Es kreuzt nicht alle paar Schritte ein Souvenirverkäufer auf, der mit einem „no gracias“ abgewimmelt werden muss. Die Anlage ist so riesig und überwachsen, dass man sich leicht in der grünen Hölle verirren kann. Gerade die kleineren Trampelpfade führen einem schnurstracks in die Wildnis, nur weil irgendwo ganz am Ende noch ein Steinhaufen oder eine kleine Ruine zur Besichtigung einlädt. Irgendwann ist man ganz alleine mit den vielen Iguanas (Leguane)…

Die Insel Cozumel liegt auf dem zweitgrößten Korallenriff der Welt und Jaques Cousteau hat dessen Korallengärten durch seine Berichte ab 1961 weltberühmt gemacht. Und so begeben wir uns mit einem Rückwärtssalto vom Bootsrand auf die Spuren des alten Jaques. Unten in 26 Metern Wassertiefe (es sollte der tiefste Punkt unserer Reise werden) sieht es wie im Schauaquarium eines zoologischen Gartens aus. Es ist nicht möglich, diese atemberaubende Schönheit und Vielfalt in Worte zu fassen. Wenn sich das Sonnenlicht in den bunten Korallengärten bricht, die Meeresschildkröten friedlich vor sich hingrasen wie die Kühe im Allgäu, man einem Raubfisch direkt durch das Maul in den Magen schauen kann und der zwei Meter große Rochen nur mit seinen Augen aus dem weißen Sand herausblinzelt, dann wünscht man sich fast Kiemen, um für immer hier unten bei Nemo und seinen Kumpels bleiben zu können.

 

forget-it:
Die Strand- und Hotellandschaft von Cancun ist nicht wirklich sehenswert. Gut, das wussten wir eigentlich schon vorher…

 

top:
An vielen Straßenecken bereiten mexikanische Mütter und Großmütter die leckersten und günstigsten Mahlzeiten an ihren kleinen Imbissständen zu. In den Töpfen brodelt der heiße Chilisud und die Maisfladen können mit den verschiedensten Mischungen gefüllt werden. An den Essensständen gibt’s meistens nicht mal ein Dach oder Besteck, geschweige denn einen Wasser- oder Stromanschluss. Gekocht wird oft mit Holzkohle und gegessen wird mit den Händen – und das klappt nach einigen Malen auch wirklich prima.

Auf den Straßen ist immer was los und ganze Familien mit Babys und Kleinkindern sitzen bis spät in den Abend draußen vor der Türschwelle und lachen und spielen zusammen. Die Menschen sind generell sehr gesellig und es schient so, als wäre jeder zu einem kleinen Schwätzchen bereit… Wenn man ein Lächeln verschenkt, bekommt man oft ein solches zurück. Musiker im Bus, auf dem Schiff, am Strand oder im Restaurant bereiten uns mit ihren Gitarren und mexikanischen Klängen stets Freude – es sei denn, sie legen es ausschließlich auf Touristendollars an…

 

wunderlich:
Die Klimaanlagen in den Bussen sind auf Kühlschranktemperatur programmiert. Während in der Welt hinter der Scheibe schweißnasse Gesichter vorüberziehen, schlottern uns die Knie vor Kälte.

 

nervig:
Mexikaner sind Großmeister im Radau- und Krachmachen. Hier kommt die Müllabfuhr gerne mal gegen Mitternacht und haut dich mit einem unglaublichen Lärm gnadenlos aus dem Schlaf. Aus den Bars oder Souvenirshops wird dem bummelnden Touristen auf der Straße ein Echo entgegengeworfen, welches einen Tinitus verursachen könnte. Pickups mit Lautsprechertürmen und Megaphonen auf der Ladefläche verkünden bis spät in die Nacht lautstark ihre Werbebotschaften.

Unser persönliches Highlight ist aber der „Partybus“ in Tulum, der anlässlich eines großen Jahrmarktes drei Nächte lang vor unserem Zimmerfenster parkt und auf zahlende Gäste wartet. Während sich das Vehikel der Marke Eigenbau langsam mit Kindern und Familien füllt, dröhnt die Musik in Loveparade-Lautstärke vom Wagendach. Zur besseren Kundenakquisition macht der Fahrer alle paar Sekunden lautstark von seiner Hupe Gebrauch. Wenn das Teil dann endlich mal um die Ecke verschwindet, herrscht wenigstens eine Viertelstunde lang himmlische Ruhe. Das Spektakel wiederholt sich bis nachts um 2 Uhr. Bei einer derartigen Hartnäckigkeit werden auch wir irgendwann schwach und so gönnen wir uns am letzten Abend eine Mitfahrt auf dem Oberdeck. Wir freuen uns wie die kleinen Kinder, als wir so mitten in der Nacht die bereits schlafenden Anwohner in den vielen kleinen, dunklen Gassen aus ihrem Nachtschlaf reißen…

Wirklich auf die Nerven gehen uns nur die vielen „Gringos“ (US-Amerikaner) in Yucatan. In ihrem eigenen Land sind sie ja noch erträglich, aber nach Mexiko fliegen viele nur, um am Strand zu liegen und sich billig zu besaufen (gut, dass tun viele Deutsche am Ballermann in Mallorca eigentlich auch). Zu Zeiten des Springbreaks will man hier nicht zwischen den vielen Gringos zerrieben werden.

2 Gedanken zu „TTT Tacos, Tempel und Tequila

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