Sodom und Gomorra

In Vang Vieng kehrt wieder Ruhe ein! Nachdem die meisten Bars geschlossen wurden ist auch der feiernde Mob hirnamputierter Backpacker verschwunden, die Jahr für Jahr diesen schönen Ort überrannt haben. Wenn man so gemütlich am Ufer des Nam Song sitzt und den spielenden Kindern und den Fischern zuschaut, die sich den Fluss zurückerobert haben, kann man es kaum glauben, was hier bis vor kurzem abging.

25 Rucksacktouristen sind 2011 und 2012 in Vang Vieng beim sog. „Tubing“ gestorben, weswegen der Ort international traurige Berühmtheit erlangte. Damals haben sich bis zu fünfhundert Leute täglich auf Traktor- und Lkw-Schläuchen den Fluss hinunter treiben lassen. An sich ist das ein gemütliches und durchaus entspanntes Landschaftsvergnügen, wovon wir uns selber überzeugen konnten. Der Nam Song plätschert eher gemächlich dahin und ist stellenweise keinen Meter tief. Anderthalb Stunden dauert die vergnügliche Fahrt entlang der schroffen Kalksteinfelsen bis ins Zentrum von Vang Vieng.

Zur Todesfalle wurde die Flussfahrt allerdings durch übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsum. Mehr als zwanzig Bars haben die Backpacker auf der kurzen Strecke mit billigem Bier und Whiskey regelrecht abgefüllt und mit Drogen vollgepumpt. Teilweise wurde illegal Opium in die Drinks gemischt. Die Leute sind völlig betäubt auf dem Fluss unterwegs gewesen und waren nicht mehr in der Lage ihre Sinne oder ihre Bewegungen zu kontrollieren – und einige sind dabei ertrunken. Man muss den partywütigen Backpackern sicherlich den Vorwurf machen, das Hirn zu Hause am Flughafen vergessen zu haben.

Allerdings sind geldgierige Reisbauern und korrupte Polizisten, die das schnelle Geschäft gewittert haben, nicht unschuldig an der Eskalation. Da wurden Rutschen und Seilbahnen installiert, obwohl der Fluss in der Trockenzeit gerade mal einen guten Meter tief ist. Knochenbrüche oder tödliche Schädelverletzungen waren die Folge. Die Flasche Fusel-Whiskey für einen Dollar – das trägt sicherlich dazu bei, dass der Verstand bei jungen Menschen mit schmalem Budget aussetzt.


Es sind schon noch Tuber unterwegs…


… Thommy und Lena auf dem Nam Song.


Blick von unserer Veranda

Letztlich war der internationale Druck auf Laos wohl zu hoch und der Präsident ist im Sommer 2012 persönlich nach Vang Vieng gereist, um die Schließung sämtlicher Bars am Flussufer anzuordnen und zu überwachen. Keine Technopartys mehr bis 4 Uhr morgens, keine Todesrutschbahnen mehr und keine einzige Flussbar – Vang Vieng hat das auch gar nicht nötig. Die Laoten sind ein ruhiges und gemütliches Völkchen und besoffener Pöbel a la Ballermann will da einfach nicht so recht ins Bild passen. Die wenigen Touristen die noch da sind genießen stattdessen die einzigartige Landschaft, erforschen zahlreiche Höhlen und schwimmen in deren natürlichen Schwimmbecken. Ein ganz und gar entspannter und störungsfreier Urlaubsaufenthalt…

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