My car is my castle

Nach vielen Stunden Autofahrt von Las Vegas liegt er endlich vor uns – der Grand Canyon. Bei reichlich Sonnenschein genießen wir den Blick in die beeindruckende Tiefe. Unser Zelt schlagen wir im Wald auf einem idyllischen Campingplatz auf und schlummern friedlich ein. Gegen Mitternacht jedoch werden wir plötzlich von lautem Donnergrollen geweckt. Kurz darauf prasselt ein Platzregen auf unser kleines Zelt hernieder. Sollen wir im Zelt ausharren oder doch lieber ins sichere Auto flüchten? Die grellen Blitze, die alsbald den nächtlichen Wald erleuchten machen die Entscheidung dann doch leicht. Nach zwei bangen Stunden beruhigt sich das Wetter und wir kriechen ins Zelt zurück, wo wir unsere Schlafsäcke wenigstens halbwegs trocken vorfinden und eine klamme Nacht zu Ende bringen.
 Am nächsten Morgen erleben wir – wie wenn nichts gewesen wäre – einen wundervollen Sonnenaufgang am Rand des Canyons. Uff, das Unwetter wäre überstanden…

Doch die Freude wärt nur kurz, denn während wir am Canyon entlang spazieren braut sich schon wieder was am Himmel zusammen. Also verstauen wir schnell das halbnasse Zelt im Kofferraum und retten uns abermals ins Auto. Der Blitz schlägt mit einem ohrenbetäubenden Krachen direkt in den Canyonrand ein. Es herrscht Endzeitstimmung da draußen…

Die Taktik, dem Gewitter einfach davon zu fahren, geht irgendwie nicht auf. Tagelang werden wir von Gewitterstürmen verfolgt. Am Lake Powell zerlegt der Wind morgens um sechs unser Zelt. Ohne den ersehnten Morgenkaffee treten wir die Flucht ins Auto an und schlagen uns zum Monument Valley durch. Für eine halbe Stunde ist uns der Himmel gnädig und so können wir wenigstens ein paar Fotos vom Parkplatz aus schießen.

Dann folgt das krasseste Gewitter unseres Lebens. Während wir den Wagen in Richtung Mesa Verde Nationalpark steuern, schleudert Zeus im Sekundenabstand grelle Blitze in unsere Richtung. Wir sind uns sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Blitz ins Autodach schlägt. Die Hände fest ins Lenkrad gekrallt, schleichen wir mit annähernder Schrittgeschwindigkeit durch die Wand aus Regen.

Das am Horizont auftauchende Casino ist schließlich unsere Rettung. Es gibt zwar keinen Parkservice wie in Las Vegas (d.h. wir werden klatschnass auf dem Weg vom Parkplatz in die Lobby), doch das rustikale Zimmer ist ein prima Wetterschutz. Immer dann, wenn wir uns in den folgenden Nächten gegen Camping und für ein Motel entscheiden, bliebt es ruhig und friedlich. Riskieren wir (v.a. aus Budgetgründen) das Schlafen im Zelt, haut es uns entweder die Blitze oder die Zeltplane um die Ohren. Den krönenden Abschluss der Wetterkapriolen bringt uns nach zehn aufregenden Tagen dann ein Schneesturm. Auf dem Million Dollar Highway stehen wir hinter Silverton – mitten im September -knöcheltief im Schnee. Wir lieben Camping und Outdoor!

 

4 Gedanken zu „My car is my castle

  1. Irmgard, 18 Sep 2011:
    Wie bin ich froh, dass ihr nicht vom Blitz erschlagen wurdet. Die Fotos sind super toll!!!! Ich wünsch euch nun viele blitzlose, spannende Tage und vor allem einen guten Flug nach Mexiko. Ich drück euch eure Irmgard

  2. Finni, 19 Sep 2011:
    Hallo Lena, hallo Bernd, wie ihr seht habe ich von eurer Berichterstattung auch „Wind“ bekommen! Ich möchte mich bei euch für die gigantischen Fotos und die sehr interessanten und vor allem für die amüsante Wortwahl der Berichte bedanken! Eine gigantische Weiterreise und hoffentlich bald einen neuen Kommentar Liebste Grüße Finni

  3. Lena und Bernd, 19 Sep 2011:
    Liebe Finni, es freut uns außerordentlich, dass dir unser Blog so gut gefällt….wir werden auch in Zukunft hoffentlich spannend und lustige Geschichten zu berichten haben….! Herzlichste Grüße

  4. Siegi, 20 Sep 2011:
    Hoi Ihr Zwei. Hört sich ja ziemlich spannend an. Schlaflose Nächste im überfluteten Zelt, Showdown im Grand Canyon ohne Ohrenstöpsel aber mit Blitzlichtgewitter. Da frägt man sich ernsthaft: Wann beginnt Euer Urlaub? Lena pass auf, dass der übereifrige Bernd nicht noch als Grillsteak auf Eurer Kühlerhaube landet. Als Kühlerfigur würde er sich sicher nicht so gut machen und Du müsstest ein paar unangenehme Fragen beantworten 🙂 In diesem Sinne viel Spass noch und danke für die super Bilder. Siegi

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