Mit dem Zug durch Java(4) – Endspurt

Wir stehen „erst“ um 06:00 Uhr auf und lassen uns vom Geräuschpegel der Moschee nicht beeindrucken. Budhi und Isis erwarten uns schon zum Frühstück. Natürlich gibt es Reis und gebackene Tofuwürfel. Schweren Herzens verabschieden wir uns von den beiden und müssen versprechen, dass wir unsere Familien und Freunde hierher schicken. Nachbars‘ Opa stoppt einen Minibus für uns und abermals funktioniert die „Stille Post“ tadellos, als wir vor dem Bahnhof von Cicalengka abgesetzt werden. Wir haben Glück, denn ein Zug nach Bandung steht abfahrbereit am Bahnsteig. Wir kaufen im Eiltempo zwei Tickets, hüpfen in den Waggon und schon pfeift die Lokomotive zur Abfahrt. In Bandung haben wir leider einen längeren Aufenthalt und mangels Alternative müssen wir die Fahrt in einem Eksekutif-Zug antreten. Die Fahrt in der 1. Klasse ist sehr komfortabel, aber auch achtmal teurer wie die 3. Klasse. Der Schnellzug schlängelt sich über einen Pass und überquert abenteuerliche Viadukte. Nach zwei Stunden werden die ersten Vororte von Jakarta sichtbar. Die Reisfelder weichen den Müllhalden und Slums. Die Flüsse sind verdreckt und verpestet. Wie lange kann die Menschheit noch so weitermachen?



Jakarta zählt zu den 20 größten Städten der Welt – und wir haben diesen Moloch nur zum Ziel unserer Java-Reise gemacht, weil wir am Tag darauf mit dem Flieger nach Sumatra weiter reisen. Viele Reisenden haben die Stadt als unerträglich beschrieben und so beschließen wir, den Aufenthalt für uns so komfortabel wie möglich zu gestalten. Für unschlagbare 58 Euro buchen wir eine Nacht in einem 5-Sterne-Hotel. Für’s Taxi reicht unser Budget aber nicht mehr aus und so laufen wir den Kilometer vom Hauptbahnhof zum Hotel zu Fuß. Mit dem Rucksack auf dem Buckel und den Flip-Flops an den Füßen marschieren wir durch die Lobby aus Marmorstein schnurstracks an den Empfangstresen. Man hat unser Zimmer auf eine Suite upgegradet und wir machen es uns am Hotelpool gemütlich. Das Frühstücksbüffet ist der Wahnsinn. Erstmals seit acht Monaten genießen wir Laugengebäck und Bircher-Müsli. 

Jedoch stimmt uns der Blick vom Zimmer auf eines der Armenviertel inmitten der Stadt traurig. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Wir logieren hier dekadent in einer Suite und draußen kämpfen die Leute täglich ums Überleben? „Save the world – kill yourself“ steht auf der Schildmütze eines Mannes geschrieben, den wir in der S-Bahn erblicken. An bitterer Selbstironie kaum zu übertreffen, aber es macht verdammt nachdenklich.

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