Los Wochos Mexicanos

Schweren Herzens trennen wir uns in Albuquerque von unserem liebgewonnenen Kleinwagen und der Campingausrüstung. Ab jetzt wird das Reisen abenteuerlicher, da wir uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen und kein Spanisch sprechen. Zu unchristlicher Zeit morgens um 05:00 landet die Maschine in Mexico City, der mit 21 Mio. Einwohnern zweitgrößten Stadt der Welt. Völlig übermüdet quälen wir uns durch die Altstadt, um die Zeit bis zum ersehnten Mittagsschlaf totzuschlagen. Der riesige Moloch ist zwar respekteinflößend, aber wir fühlen uns sicher bei der ersten Erkundungstour. Das liegt u.a. auch daran, dass wirklich alle 200 Meter ein mit Maschinengewehr oder Pumpgun bewaffneter Polizist an der Straßenecke steht. Andererseits stehen die ja auch nicht zum Spaß bis an die Zähne bewaffnet in der Landschaft rum…

Bevor der Bus nach Teotihuacan startet wird jeder Fahrgast mit der Videokamera dokumentiert. Kaum unterwegs, geraten wir in eine Polizeikontrolle. Frauen und Männer verlassen den Bus, stellen sich getrennt an einer Linie auf und werden von bewaffneten Polizisten nach Waffen und Drogen durchsucht. An diese Omnipräsenz von Sicherheitskräften müssen wir uns erst noch gewöhnen.

Großartig hingegen sind die beiden Musikanten, die genau am Checkpoint in den Bus einsteigen und uns eine unvergessliche Fahrt mit ihren Gitarrenklängen bereiten. Überhaupt ist das Bus- und U-Bahnfahren immer für eine Überraschung gut. Mit der Metro kommt man für unglaubliche 3 Pesos (ca. 16 Cent) quer durch die ganze Megacity und kann so oft umsteigen wie man will. Das nutzen zahlreiche Verkäufer, die an jeder Station zusteigen und ihre Waren anbieten. Von Süßigkeiten über Batterien und Pflaster ist alles im Angebot. Die Formelsammlung für Mathematik lehnen wir mit einem bestimmten „No gracias“ ab. Am besten sind jedoch die Verkäufer, die einen Lautsprecher im Rucksack eingebaut haben und Musik-CD’s für 10 Pesos verkaufen. Von Luciano Pavarotti bis Lady Gaga reicht das Beschallungserlebnis. Es ist erfreulich anzusehen, dass die Menschen ihre Waren tatsächlich umsetzen und so ihr Einkommen erzielen, denn viele sind wirklich bettelarm.

Ein kulinarisches Highlight sind die vielen Straßenstände, wo wir sehr günstig frisch zubereitete Tacos, Quesedilas, Nachos und dergleichen zum Mittagessen besorgen. Mit der Dosierung muss man allerdings aufpassen, denn der Duft und Geschmack dieser Delikatessen törnt nach wenigen Tagen eher ab, weil man alles probiert hat und es doch immer irgendwie ähnlich schmeckt. Es bleiben einfach gefüllte Maisfladen, egal wie man sie nennt…

Von Mexico City fahren wir drei Stunden in die alte Silberstadt Taxco. Die Altstadt, die Märkte und das Straßenleben faszinieren uns derart, dass wir drei Tage in diesem Städtchen hängen bleiben. Die vielen VW-Käfer und VW-Bullys gehören in Taxco zum Stadtbild und so ist es das größte Vergnügen, einfach auf dem Hauptplatz zu sitzen und zu glotzen. Das Leben auf der Straße ist in Mexico sehr ausgeprägt. Dort wird gegessen, gehandelt, verkauft, getratscht, geknutscht oder einfach nur herumgelungert. Die nahegelegene Tropfsteinhöhlen „Grutas de Cacahuamilpa“ sind einen Besuch absolut wert, da man locker eine Kathedrale in ihrem gewaltigen Bauch verstecken könnte. Die einzigen Worte, die wir bei der Führung in spanischer Sprache allerdings verstehen sind „Stalaktiten“ und „Stalagmiten“ – gut, das hätten wir aus dem Erdkundeunterricht auch noch hingekriegt.

Souvenirverkäufer warten auf die nächsten „Opfer“


Das Käfer-Taxi bietet besonders viel Beinfreiheit!

3 Gedanken zu „Los Wochos Mexicanos

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