Le petit Paris

Verdammt sei der Reiseführer, der uns den Bären aufgebunden hat, Dalat sei das kleine Paris Vietnams! Es scheint so, als seien wir wieder einmal Opfer unserer eigenen Fantasie geworden, denn während der langen Busfahrt hatten wir ausreichend Zeit, ein buntes Gedankenbild von der Stadt zu malen. Französische Kolonialvillen haben wir gezeichnet oder frisch verheiratete Liebespaare, die Hand in Hand durch die engen Gassen schlendern.
Dann kommen wir in der Realität an. Es regnet. Drei Tage lang. Von wegen Frühlingsluft – es ist scheisskalt. Erstmals seit sechs Monaten müssen wir die langen Klamotten aus den Tiefen unserer Rucksäcke hervorkramen. Das 1.500 Meter hoch gelegene Dalat kann gar nix, wie wir bereits nach wenigen Stunden für uns feststellen. Was soll man machen? Kopf in den Sand stecken und die Zeit bis zur Abfahrt des gebuchten Nachtzuges absitzen? Oder Flucht nach vorne und auf Teufel komm raus nach irgendetwas Schönem suchen? 

Heute im Angebot: „Wasserfalltour“ oder „Tempelbesichtigung“. Wasserfälle haben wir auf unserer Reise (nahezu) in dreistelliger Anzahl gesehen. Da fehlt der Kick. Wasserfall ist gleich Wasserfall. Sehen alle irgendwie gleich aus, haben wir hunderte Fotos von… 
Tempel? Wir haben uns nach dem Tempelmarathon von Angkor Wat geschworen, in Südostasien keinen einzigen Tempel mehr zu besichtigen, da wir seither unter akuter Tempelübersättigung leiden. No way… 

Der Fluch des Langzeitreisens liegt darin, dass dir irgendwann gewisse Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten zum Hals raus hängen. Und wenn du am sechsten September (dem vierhundertzweiten Reisetag) zum insgesamt dreihundertfünfzigsten Mal  abends Essen gehst, dann ist das mehr Selbsterhaltungstrieb denn Urlaubsfreude. 

Die ganze Grübelei auf dem Hotelzimmer führt uns schließlich zu einem wesentlichen Gedanken zurück. Carpe diem! Zugegeben, die Phrase ist so was von abgedroschen und ausgelutscht. Aber sie trifft den Kern unserer Reise: Gemeinsam Zeit verbringen und den Augenblick (er)leben.
Wir raffen uns zu einem langen Spaziergang durch Dalat auf. An manchen Ecken bleiben wir stehen, schließen die Augen und träumen vom echten Paris im fernen Europa. Das kommt gut. Die Stimmung steigt.


Der Eiffelturm


Blick von Sacre Coeur über die Dächer von Paris


Ein Hauch von Romantik


Der TGV bringt uns vom Gare de l’Est nach Hause


Never ever 🙂

 

Ein Gedanke zu „Le petit Paris

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