Kotzende Köter im Kofferraum

Good Morning, Vietnam! Da sind wir also. Die Begrüßung fällt nicht gerade herzlich aus. Den ersten Dollar zockt uns ein unfreundlicher Grenzbeamter aus der Tasche. Einen Dollar für das Ausfüllen eines obligatorischen Formulars? Sind die 45 Dollar für das Visum noch nicht genug? Die vielen Vorurteile, die wir im Gepäck haben, müssen wir wenigstens nicht extra verzollen. Armeen von Mopedrittern auf dem Weg in die Straßenschlachten von Hoh Chi Minh und Hanoi geistern durch unsere Köpfe. Schlitzaugige und -ohrige Schlepper reißen sich um unser letztes Hemd. Kopfkino vom Feinsten.
Wen wundert es da, dass unsere erste Fahrt nicht am Busbahnhof der Grenzstadt Ha Tien, sondern an einem Reisebüro endet. Gerne offeriert man uns dort ein Ticket für die Weiterfahrt nach Can Tho für supergünstige 10 Dollar. Wir haben keine Lust auf derlei Spielchen und besteigen ein Motorradtaxi, um uns auf eigene Faust zum Busbahnhof durchzuschlagen. Eine halbe Stunde später stehen wir wieder vorm Reisebüro, wo die übrigen Touristen mit den teuren Tickets zusteigen. Diesmal waren wir schlauer, Vietnam! Mal sehen, was du noch zu bieten hast, wir sind gewappnet…
Die Rache folgt auf dem Fuß. Sechs Stunden Fahrt durch das Mekongdelta liegen vor uns. Wir freuen uns auf grüne Reisfelder, schwimmende Dörfer und schlammige Flüsse. Doch die Realität sieht anders aus. Hätten wir im Erdkundeunterricht aufgepasst, wüssten wir, dass das Mekongdelta eine der dichtest besiedelten Gegenden des Landes ist. Stundenlang ziehen also Häuserschluchten und Industriekulissen am Fenster vorüber. Keine romantischen Dörfer, kein Landschaftsidyll…Das Winseln und Kläffen, welches aus dem Kofferraum des Kleinbus zu dringen scheint, ist uns suspekt. Beim nächsten Pausenstopp entdecken wir dort neben unseren beiden Rucksäcken sieben Hundewelpen. Die haben das ganze Gepäckfach samt Rucksäcken vollgekotzt. „Ein Hoch auf unsern Busfahrer, Busfahrer, Busfahrer…“


Nach ätzenden neun Stunden kommen wir endlich im Hotel in Can Tho an. Man offeriert uns nur das teuerste Zimmer, der Rest sei ausgebucht (was sich als falsch herausstellte). Wir sind zu müde, uns darüber zu ärgern und verlangen erstmal nach einem Drink und die Speisekarte. Vietnam scheint ein kulinarisches Highlight zu werden. Vogel, Frosch, Schlange oder Ratte sind uns am ersten Abend doch noch etwas zu hart. Pho (Reisnudelsuppe) beruhigt den knurrenden Magen.


Die Tour vor Sonnenaufgang zu den schwimmenden Märkten auf dem Mekong ist ein Glücksgriff. Nicht, weil die Märkte jetzt besonders aufregend oder fotogen sind. Der verrückte Kapitän, der unsere Nussschale durch die Fluten navigiert, ist die eigentliche Attraktion. Er beherrscht nicht nur Zaubertricks, Karaoke und Basteln mit Bambus, er ist auch ein großer Meister am Glase. Zum Frühstück füllt er unsere Gruppe mit einer halben Flasche Rum ab. Vietnamesische Trinksprüche hallen durch den Raum und die Stimmung steigt trotz des miesen Wetters. Saufen wir uns Vietnam eben schön.

 

4 Gedanken zu „Kotzende Köter im Kofferraum

  1. Siegi, 10 Sep 2012:
    Uiuiuiui, es scheint als wären die Vietnamesen mindestens genauso gut drauf wie die Singalesen *gg*. Was die alles so zu sich nehmen und vor allem in einer entsprechenden Schärfe, das überfordert unseren Kässpätzle und Schweinsbraten verwöhnten schwäbischen Alltagsmagen nicht unerheblich. Wobei ich ja bei Euch mittlerweile keine große Angst bezüglich Magenverstimmungen haben muss (siehe Meerschweinchen am Spieß). Die anspruchsvolle Busfahrt läßt bei Euch sicher die Sehnsucht nach einer geruhsamen Fahrt im Schülerbus zwischen Herlazhofen und Neutrauchburg ins unermessliche wachsen *smile*. Also Augen zu, Froschschenkel und Schlangen verspeist und ab in den Katamaran auf dem Mekongriver. Übrigens soll der Whisky dort ganz besonders gut schmecken. Natürlich rein für medizinische Zwecke. In diesem Sinne noch mehr Spass und vor allem Gesundheit. Siegi

  2. Patrick, 10 Sep 2012:
    Hallo Ihr beiden, uiuiui Eure ersten Eindrücke von Vietnam lesen sich ja haarsträubend… Wir haben das Land 2010 für 3 Wochen von Nord nach Süd bereist, danach folgten Kambodscha und Thailand. Also von derRichtung her genau andersrum, wie Ihr es nun macht. Und wir waren von Vietnam recht angetan. Bei uns war es eher umgekehrt – wir haben uns in Kambodscha nicht so wohlgefühlt, wohl aufgrund der unheimlichen Rote-Khmer-Geschichte. Sicher sind die Vietnamesen im Vergleich zu Kambodscha (und Thailand erst!) sehr viel rauher und kantiger, liegt vielleicht am sozialistischen System. Aber das Land hat ja mit dem Vietnamkriegauch einiges hinter sich. Ich bin mir sicher, dass sich Eure Eindrücke bessern werden. Was Ihr auf jeden Fall machen solltet, ist so eine dreitägige Bootstour durch das Delta. War damals unglaublich lustig, preiswert und man hat die schönen Seiten des Deltas gesehen. Also nciht nur die schwimmenden Märkte, wir waren auch auf einer Bananenplantage, in paradiesischen Gärten und auf Fischfarmen… Wahrscheinlich tutIhr das gerade im Moment sowieso 😉 Ich kenne Eure Route nicht genau, aber Ihr werdet sicher auch Saigon, Nha Trang, Hoi An, Hue und Hanoi ansteuern. Freut Euch drauf! Besonders Hoi An und Hue in der Mitte sind absolut sehenswert, historisch, nicht so überlaufen. Macht in Hue auf jeden Fall eine Tour zu den Kaiser-Gräbern. Hat uns damals 10 Euro gekostet und es war der Wahnsinn. Wir lesen mit und sind gespannt auf Eureweiteren Berichte. Haben fleißig für Eure Seite gevotet. Ehrlich gesagt kann ich nicht fassen, dass Ihr immer noch unterwegs seid – Kuba ist eine halbe Ewigkeit her. Genießt jeden Tag Eurer Reise, der deutsche Alltag kommt früh genug zurück… Grüße aus der Augschburger Unibib, da hänge ich gerade über meiner Masterarbeit und träume von Vietnam, Kuba und Mexiko! Patrick (und Larissa, von der Mogotes-Wanderung in Kuba damals. Mei war des schee!)

  3. Lena und Bernd, 12 Sep 2012:
    @Patrick und Larissa: Hallo ihr beiden, freut uns sehr, von euch zu hoeren. Kuba ist wirklich eine gefuehlte Ewigkeit her. Aber so langsam bringt uns jeder Kilometer ein Stueckchen der Heimat entgegen (wo wir uns hoffentlich mal treffen werden). Danke auch fuers Voten! Vietnam ist ein Spezialfall fuer uns. Wir haben Thailand und Kambodscha geliebt, werden mit Vietnam aber (noch) nicht so richtig warm. Die Menschen sind im Grunde freundlich (v.a. sehr lustig). Uns stresst aber der Laerm, die dichte Besiedlung und dieregelmaessige Abzocke. Auf der anderen Seite ist es kulinarisch ein absolutes Highlight. Hoi An ist die Perle, die wir lange gesucht haben. Waren vier Tage dort und haben uns unglaublich wohl gefuehlt. Gerade sind wir in Hue angekommen. Scheinbar wird Vietnam von Sued nach Nord immer besser 🙂 Im naechsten Blog schreiben wir wirklich was positives darueber. Wir halten euch auf dem Laufenden. Viele Gruesse und viel Erfolg noch im Studium! Lena und Bernd

  4. Lena und Bernd, 12 Sep 2012:
    @Siegi: Kommen gerade vom Abendessen (gekochte Ente mit Chili und Ingwer). Die Kehle brennt noch immer, da hilft weder das Vanilleeis noch das kuehle Bierchen. Das sind so Momente, wo man dann von dem erwaehnten Schweinebraten mitKnoedel traeumt 🙂 Aber kulinarischen Abenteuern stellen wir uns immer gerne, sonst gaebe es ja keine Geschichten zu erzaehlen. Und wenn mir das naechste Mal eine frittierte Ratte ueber den Weg laufen sollte, ist sie faellig. Dann kannst du hier einen Testbericht darueber lesen. Gruesse Lena und Bernd

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