Im Pipi-Express durch das Reich der Mitte

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass wir etwas knapp dran sind, denn Bangkoks Verkehr ist einfach ein unberechenbares Chaos. Der Zug zum Flughafen setzt sich gerade in Bewegung, als wir die Bahnhofshalle erreichen. Wir rutschen auf Flip-Flops quietschend um die Kurve und beschleunigen den Sprint am Packwagen vorbei bis zur offenen Türe des 3.-Klasse-Waggons. Hopp, hopp und drin sind wir. Goodbye Südostasien – China wir kommen! 

Verzweifelt haben wir bis zuletzt nach einer bezahlbaren Unterkunft in Macau gesucht. 160 Euro ohne Frühstück war die günstigste Offerte, die wir ausmachen konnten. Nicht gerade ein Schnäppchen für einen Globetrotter. Dann halt nicht, Macau! Einreisestempel – ab zur Fähre – Ausreisestempel – zwei Stunden und dreißig Minuten ist unser bislang kürzester Aufenthalt in einem Staat. Der Katamaran nach Hongkong braucht eine Stunde für die 40 Kilometer. Der Preis für diese rasante Fahrt ist eine latente Seekrankheit.

Unsere Reiseroute führt uns von Hongkong über Guilin nach Yangshuo. Wir entsteigen dem Nachtzug in Flip-Flops und kurzen Hosen und werden von einer frischen Brise in Empfang genommen. Nach über sieben Monaten Südostasien haben wir doch tatsächlich vergessen, wie sich „frieren“ anfühlt. Das Wetter in Yangshuo ist mies, denn es regnet fünf Tage lang. Genügend Zeit also, sich langsam der chinesischen Art und Kultur anzunähern – und lange Klamotten einzukaufen.
 Lecker Gürkchen! Auch chinesische Märkte verheißen spannende Entdeckungen…

Als sich nach vielen Tagen im Dorf Xingping endlich die Sonne zeigt, können wir die Schönheit des Li Flusses und seiner umliegenden Karstberge bewundern. Unsere Wanderung endet zwar in einer Sackgasse, weil wir die doofe Brücke nicht finden, dafür treffen wir einen der selten gewordenen Kormoran-Fischer. Kormorane fangen dreimal so viel Fisch wie der Mensch mit seinen Netzen und so haben die Chinesen am Li Fluss schon vor Jahrhunderten eine geniale Fangmethode entwickelt: Sie richten Kormorane ab und binden ihnen den Hals zu, so dass sie große Fische nicht schlucken können. Leider haben Massentourismus und Umweltverschmutzung die Kormoranfischerei so gut wie ausgerottet. Die wenigen Fischer, die noch täglich auf dem Fluss fischen, verdienen ihr Einkommen hauptsächlich mit Touristenfotos.





Hunderte von Schiffe sind auf dem Li Fluss unterwegs. Kein Wunder, irgendwo müssen 1,3 Milliarden Chinesen ja auch mal Urlaub machen. Amüsiert beobachten wir die Reisegruppen vom Balkon unseres Hostels und fühlen uns ein wenig an einen rheinischen Karnevalszug erinnert. Hunderte von Menschen ziehen die Straßen entlang. An den roten, gelben, grünen und blauen Mützen kann man erkennen, welcher Karnevalsgesellschaft sie angehören. Vorneweg läuft ein Ordner mit Megaphon und Nummerntäfelchen. Würde man „Kamelle“ oder „Alaaf“ vom Balkon runter schreien, gäbe es statt eines Bonbonregens vermutlich nur verdutzte Blicke.

Die zweite Nachtzugfahrt nach Hangzhou verläuft nicht so entspannt. Wir haben das offene „Arschloch-Abteil“ neben der Toilette erhalten. Schon mal 20 Stunden neben einem chinesischen Scheißhaus gelegen? Je länger wir unterwegs sind, desto bestialischer wird der Pisse-Gestank, denn das Wasser ist ausgegangen. Wir sehen mit unseren über den Kopf gezogenen T-Shirts und den um die Nase gewickelten Tüchern aus wie Beduinen. Die chinesischen Mitreisenden rümpfen bei dem Gestank nicht ein einziges Mal die Nase. Ganz schön hart drauf diese Chinesen. Immerhin ist um 22:00 Uhr Nachtruhe und so erwischen wir einige Stunden Schlaf, bis uns frühmorgens Rotzgeräusche zärtlich aus dem Tiefschlaf holen. In solchen Momenten ist man glücklich, bald wieder zu Hause zu sein.

2 Gedanken zu „Im Pipi-Express durch das Reich der Mitte

  1. onkel Maddin, 23 Nov 2012:
    Rennt en Buer de Garte ab un schießt, putz de Arsch mit Nessle, heieiei des bießt! Het de Buer des Krüttli kennt, het er´s Fiddle nit verbrennt. Narro! (au z´Dütschland sind d´Lit manchmol derb…)

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