Hausarrest

300.000, 250.000, 200.000, 180.000 – die Taxipreise sind im freien Fall und endlich haben wir mit 100.000 den Zielwert erreicht und sitzen ruckzuck im Auto, dass uns vom Flughafen in die balinesische Metropole Denpasar bringen soll. Zuvor haben wir noch schnell die Kreditkarte am Geldautomaten mit 2,5 Millionen belastet. Leider gibt es dafür nicht die eigene Villa mit Meerblick, sondern lediglich einige Tage Aufenthalt in einem Mittelklassehotel. Nach 23-stündiger Reise von Neuseeland über Australien sind wir zwar ziemlich müde, v.a. aber ziemlich ausgehungert. Wir nehmen das erstbeste Lokal die Straße runter und sitzen rätselnd über der Speisekarte. Gut, „Bami Goreng“ kennt man ja noch, aber die anderen Gerichte wirken doch etwas kryptisch. So überlassen wir schließlich dem Zufall die Auswahl und werden von panierten Shrimps und gebratenem Reis mit Tintenfisch überrascht. Kostenpunkt für ein Abendessen mit Erfrischungsgetränk: 1,50 Euro. Index auf der Scharfheitsskala: 9 von 10 möglichen Punkten. Mit Feuer in den Kehlen fallen wir todmüde in die Betten.
Am nächsten Tag streifen wir durch die Stadt, besichtigen unseren ersten Tempel (es sollten noch sehr sehr viele folgen…) und lassen die „neue Welt“ auf uns wirken. Die Luft ist geschwängert vom Duft der Räucherstäbchen und überall vor den Häusern werden Opfer für die Götter dargebracht. Die vielen neuen Eindrücke sind kaum zu verarbeiten und wir sind sehr erfreut, dass auf unserer Reise nun endlich wieder die Post auf den Straßen abgeht. Am Vorabend des Feiertages „Nyepi“ findet die hinduistische Parade Ngrupuk statt. Riesige Dämonen (Ogoh ogoh genannt) werden von vielen Männern durch die Straßen Balis getragen und von lauter Musik begleitet. Und so werden wir Zeuge einer wilden Straßenparade, die am ehesten einer Mischung aus rheinischem Straßenkarneval und Loveparade gleichkommt, wenn man sie mit Worten beschreiben müsste.
Auf die wilde Feierei folgt der „Nyepi“ (Tag der Stille, der Meditation und des Fastens). Am Nyepi gibt es für die Hindus kein Licht, keine Arbeit, keine Unterhaltung, kein Reisen und für manche ist nicht mal Sprechen erlaubt. Aus Anstands- und Respektgründen dürfen an diesem Tag auch die Touristen nicht auf die Straße – und so werden wir im Hotel festgesetzt. 
Die Hoteltüren nach außen sind zwar offen, wie wagen uns jedoch nicht auf die Straße. Im Grunde ist so ein Pausentag eine gute Idee. Entspannt chillen wir auf unserm Zimmer, lesen, essen Bami Goreng und widmen uns der Reiseplanung.


Ochsenkopf für die Götter


 

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