Ein Meer aus Lotusblüten

Fortbewegung: Zug, Metro, Bus, Minivan, Schiff, Flugzeug, Taxi, Tuk-Tuk, Moped, Fahrrad, Elefant
zurückgelegte Kilometer: 6.104
Zeitraum: 27 Tage im Mai und Juni, 23 Tage im Juli und August und zu guter letzt 11 Tage im Oktober
Sonnentage: Süden – 1 Woche verregnet, 3 Wochen traumhaft; Norden – ein Mix aus Sonne und Wolken, gelegentliche Monsunschauer
Temperatur: sehr heiß und schwül, v.a. in Bangkok
Budget: 29 Euro
Gesamtbewertung: Schulnote 1,5

Weltreise Thailand


Schlimmer kann’s in Russland oder China auch nicht mehr werden. Diese Tafel soll uns den Heimweg auf dem Moped weisen. Noch Fragen?

must-sees:
Eigentlich wollten wir einen großen Bogen um Ko Phangan machen. Für Vollmondparties mit bis zu hunderttausend (!) Travellern, die sich eimerweise Alkohol in Ballermann-Manier hinter die Binde gießen, hätten wir uns vielleicht vor zehn Jahren noch begeistern können… Dennoch hat die Insel ihren Ruf als Party-Mekka zu unrecht. Außerhalb der Vollmonde ist es hier in der Nebensaison idyllisch und ruhig. Ein Ferienparadies, gerade richtig für uns Globetrotter, um mal so richtig runterzukommen und zwei Wochen faul am Traumstrand zu liegen.

Bangkok – love it or hate it. Wir sind nicht nur von Thailand insgesamt, sondern auch von Bangkok im speziellen begeistert. Sicher, die Stadt ist ein stinkendes Müllmonster und daher verständlicherweise nicht jedermanns Sache. Aber es gibt auch nette Ecken dort und manchmal versprüht es sogar etwas wie – sagen wir – Flair. Außerdem ist Bangkok ein riesige Verkehrsdrehscheibe. Kein Wunder, dass unsere „Kreuz-und-Quer-Reise“ uns insgesamt viermal hierher geführt hat.

Entscheidend für eine gute Zeit in diesem hektischen, schwülen Millionenmoloch ist die Hotelwahl. Hartgesottene schlafen im Backpackerparadies namens „Khao San Road“, ein Ghetto bestehend aus billigen Unterkünften, Restaurants, Bars, Souvenirshops und Fälschern, die von der BahnCard 100 bis zum Boss-Anzug alles billig imitieren können. Wir haben uns für ein tolles Hotel am Verkehrsknotenpunkt Sukhumvit entschieden. Angenehme Nachtruhe und sehr schnelle Verbindungen mit den Öffis ins Zentrum, so lässt sich Bangkok viel besser ertragen. Auch Taxifahren macht die Hitze erträglicher. Weniger als einen Euro bezahlen wir für zwei Kilometer – da machen wir uns nicht die Füße schmutzig. Die Sehenswürdigkeiten sind an einem Tag abgehandelt. Pflichtprogramm ist eine Bootsfahrt auf dem Königsfluss und mindestens eine Tempelbesichtigung. Am Wochenende unbedingt auf den Chatuchak-Markt gehen, wo mehr als zehntausend kleine Shops und Marktstände Kunst, Deko, Kitsch, Retro, Möbel und Leckereien verkaufen! Leider passen die vielen schönen Sachen nicht in unseren Rucksack, da hätten wir gerne einen 20-Fuß-Container dabei gehabt.


Sieht aus wie ein Krokodil – ist aber nur eine riesengroße Echse, die in den stinkenden Abwasserkanälen (Khlongs) von Bangkok ihre Bahnen zieht.

Die Brücke am River Kwai ist architektonisch total unspektakulär. Aufgrund des gleichnamigen Kriegsfilms hat es der Stahlkoloss allerdings zu Weltruhm gebracht. In Kanchanaburi kann man die Geschichte der japanischen Besatzung hautnah erleben. Tausende Touristen wandern täglich über die Brücke der „Death Railway“, die einst Thailand und Burma verband. Mehrmals am Tag rumpeln Züge über die Brücke, die hunderte Ausflügler aus Bangkok an den Kwai bringen.

In Sangkhlaburi, nahe der Grenze zu Myanmar, sind die Elefantenausritte nicht ganz so sehr touristisch und teuer. Eine Stunde geht es zunächst durch den Dschungel auf dem Rücken eines Dickhäuters, mehrmaliges Flussdurchqueren inklusive. Am Zielpunkt gibt es eine Plastiktüte voll gebratenen Reis zum Mittag, ehe uns Bambusflöße wieder flussabwärts zum Elefantencamp tragen. Einem knienden Elefanten ins Auge zu sehen und den Rüssel zu tätscheln ist ein gänsehauterregendes Gefühl…

In Amphawa findet am Wochenende ein „schwimmender Markt“ statt, der noch nicht von den Touristenmassen entdeckt wurde. Naja – sagen wir – zumindest nicht von den ausländischen Touristen, denn die Thais strömen in Massen aus dem nahegelegenen Bangkok hierher. Natürlich dreht sich alles ums Essen und Trinken. Marktfrauen grillen Meeresfrüchte und Fisch über dem Holzkohlengrill auf ihrem kleinen Boot, während die Thais auf Plastikhockern am Flussufer sitzen und scheinbar ohne Unterlass und Sättigungsgefühl am Futtern sind. Die Kulisse erinnert fast ein wenig an Venedig. In der Abenddämmerung sollte man unbedingt eine romantische Rundfahrt mit dem Boot unternehmen, denn dann schwirren zehntausende von funkelnden Glühwürmchen am Flussufer entlang.

 

forget-it:
Phuket und Krabi, die Hochburgen des Pauschaltourismus, sind definitiv keine Reise wert. Es sei denn, man ist auf der Suche nach billigem Alkohol, Sex, Party und übervollen (noch nicht mal schönen) Stränden. Die besseren Strände gibt es im Golf von Thailand oder gleich auf den Philippinen.

 

top:
Thailand hat unserer Reise einen kleinen Hauch von Luxus verliehen, da wir Mittelklassehotels mit unschlagbar günstigem Preis-Leistungsverhältnis, den Hostels und Guesthouses vorgezogen haben. Ab 25 Euro fürs Doppelzimmer pro Nacht ist ein Strandressort mit Pool, Klimaanlage und Frühstück erhältlich. Ein unkomfortabler Strandbungalow in der ersten Reihe kostet viel mehr Geld…

Thaifood ist yummi! Egal ob BBQ mit eigenem Tischgrill, Thaicurry oder Thaisuppe. Das Essen schmeckt vorzüglich, auch wenn es manchmal rattenscharf ist. Thailand bietet aber auch die Vorzüge internationaler Küche. So kommen wir endlich wieder in den Genuss deutscher, italienischer oder mexikanischer Restaurants – eine dankbare Abwechslung für Langzeitreisende wie uns.

Nach einem anstrengenden Sightseeing ist eine Thaimassage das ultimative Entspannungserlebnis. Für durchschnittlich 5 Euro die Stunde lassen wir uns ständig durchkneten – was zu Hause unbezahlbar wäre, kostet in Thailand nur ein kleines Taschengeld – und steigert das Wohlbefinden enorm!

Thailand ist das einzige Land in Südostasien mit einem flächendeckenden Eisenbahnnetz und so reisen wir über 2.500 Kilometer auf Schienen durch die abwechslungsreiche Landschaft. Ein Erlebnis ist eine Fahrt im Nachtzug von Suratthani oder Chiang Mai nach Bangkok, wenn in einer Vollmondnacht am offenen Fenster der Dschungel vorbeizieht und man vom Klick-Klack der Achsen in den Schlaf gewogen wird.

Die Supermarktkette 7-Eleven ist ein südostasiatisches Phänomen. In Städten findet man alle paar hundert Meter eine Filiale, die meist 24/7 geöffnet ist. Da gibt es jeden Abend leckeres Chang Beer oder Mineralwasser (eine Seltenheit im Ausland). Vorsicht: bei den Schinken-Käse-Blätterteigsandwiches besteht akute Suchtgefahr.

Ein Lächeln löst alle Probleme in Thailand. Immer!

 

wunderlich:
Über alte, dickbäuchige, glatzköpfige, weiße Männer mit jungen, hübschen, knackigen Thaigirls haben wir uns ja schon geäußert. Möge sich jeder seine eigene Meinung darüber bilden…

Schon immer mal davon geträumt, mit einer Strahlenkanone die Mitmenschen in ihrer Bewegung einzufrieren? Punkt 18 Uhr in Thailand geht das imaginär mit Zeigefinger und Daumen. denn dann schallt überall auf den Straßen die Nationalhymne aus scheppernden Lautsprechern und die Thailänder bleiben stramm und wie angewurzelt stehen und lauschen andächtig deren Klang. Auf dem Nachtmarkt in Chiang Mai bleiben selbst die Touristen auf dem Asphalt kleben, weil sich keiner traut, zwischen den eingefrorenen Thais im Slalom hindurch zu marschieren. Ein bizarrer Moment völligen Stillstands 🙂

 

nervig:
Egal welchen Weg man in Thailand einschlägt, es sind immer schon viele andere Touristen vorher da. Kann man in diesem Land eigentlich überhaupt „off the beaten track“ sein? Selbst im hintersten Winkel an der Grenze zu Myanmar treffen wir dutzende Urlauber. Nicht auszudenken, was hier in der Hochsaison los sein muss. Nicht mal geschenkt würden wir zwischen November und Februar dort Urlaub machen, wenn all die Europäer ihre Winterblässe ablegen möchten und wie die Brathühnchen an den Stränden von Thailands Süden in der Sonne brutzeln.

Thailands Züge sind die unpünktlichsten auf der Welt (wenn man von Kuba mal absieht, aber da waren die Züge nicht direkt unpünktlich, sondern sind meistens einfach ausgefallen).

Die Verspätungschronologie: Vientianne – Bangkok = 300 Minuten, Surattani – Bangkok = 130 Minuten, Ayutthaya – Chiang Mai = 125 Minuten, Chiang Mai – Bangkok = 110 Minuten, Bangkok – Kanchanaburi = 90 Minuten, Bangkok – Aranyaprathet = 65 Minuten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.