Bali hautnah


Kaum ein Tag ohne Fototermin. Indonesier lieben es (den Grund dafür haben wir noch nicht herausgefunden), sich mit ausländischen Touristen fotografieren zu lassen. Hier werden wir gerade von einer ganzen Gruppe von Schülerinnen überfallen. Sehr lustig das Ganze…


„Excuse me!“ – ah mal wieder ein Fototermin, denken wir uns. Nein, diesmal wollen die Mädchen nur plaudern und ein bissle Englisch üben. Sie zeigen uns Namensschilder mit der Aufschrift „English Practice Course“. In den vergangenen Wochen haben wir an die hundertmal die Fragen beantwortet „How long stay in Bali?“ oder „Where you from?“ (Antwort: „Aaaaahhh, German!“, gleich gefolgt von der Ergänzungsfrage: „Where in German?“ (es folgt dann meistens eine Aufzählung von deutschen Bundesligavereinen, die man auch in Indonesien kennt und immer wohnen wir irgendwo zwischen VFB Stuttgart und Bayern Munich)…


Abseits der Touristenpfade sind wir im ehemaligen Königspalast von Kerambitan untergekommen. Wir durften zwei wunderbare Tage mit einer sehr liebenswürdigen Familie verbringen und wurden zum Abschied auch noch beschenkt. Gastfreundschaft, die einen sprachlos macht…

Lesen tun sie ja nicht so gerne die Indonesier, schauen lieber fern! Aber sie sammeln fleißig die liegengebliebenen oder eingetauschten Bücher von Touristen und machen damit einen Buchladen auf. Wir mussten hart verhandeln, denn deutsche Bücher haben einen stolzen Preis in Indonesien. Letztlich haben wir fünf ausgelesene Bücher gegen drei Frische getauscht und mussten ca. 6 Euro drauflegen. Dafür dufte der „Bücher-Mann“ für ein Foto stramm stehen…

Ein langer Reisetag von Lombok nach Bali steht an. Die vierstündige Fährüberfahrt wurde uns von diesen Jungs versüßt. Ihr Schlager „Lombok I Love You“ geht wirklich ins Ohr (mehr versteht man vom Text aber nicht)…

Bevor die Fähre ablegt muss man eine Verkaufsshow über sich ergehen lassen. Am hartnäckigsten erwies sich der „Früchte-Mann“. Er hat seine Waren mit einer derart lustigen Betonung angepriesen („Bannnnnnnaaaaaaannnnnnnaaaaaa“), dass wir uns jedes Mal schlapp gelacht haben. Als er sich beim zehnten Versuch mal wieder von hinten anschlich, haben wir schließlich gekauft. Was für ein Talent…

„Pop Mie“, „Pop Mie“, „Pop Mie“ schallt es auf dem Passagierdeck. Wir müssen angesichts dieses doppeldeutigen Angebots grinsen und kaufen schließlich eine der leckeren Instant-Nudelsuppen…

Die Polizei dein Freund und Helfer! Nach 10 Stunden Reisezeit kommen wir erschöpft in Tabanan auf Bali an. Die freundlichen Polizeibeamten, die wir an der Straßenecke anquatschen erzählen uns, dass es nur ein Hotel in der Stadt gebe, etwa 2 Kilometer von unserem Standpunkt entfernt. Wir wollen uns gerade in Marsch setzen, als uns eine Mitfahrgelegenheit offeriert wird. Wir staunen nicht schlecht, als wir aufgefordert werden, mit vollem Sturmgepäck auf dem Moped hinten Platz zu nehmen. Jeder von uns nimmt auf dem Gepäckträger eines Zweirads Platz und geschwind flitzen wir in einer Eskorte durch die dunklen Gassen von Tabanan. Der Hotelier staunt nicht schlecht, als wir unter Geleitschutz von drei Polizisten in unser Zimmer einchecken. Gut, die Kakerlaken unterm Kleiderschrank hat’s deswegen auch nicht abgeschreckt, aber das ist eine andere Geschichte…

This man saved our lifes, denn er war zur rechten Zeit am rechten Ort – und wir von der langen Reise verdammt hungrig. Das war das beste Bami Goreng bislang (und wir haben wirklich schon seeeehr viele Bami Gorengs probiert)…
Was soll man noch sagen? Auf Bali leben die freundlichsten Menschen der Welt, soviel ist sicher!

 

5 Gedanken zu „Bali hautnah

  1. Inselgammler Tilmann, 11 Apr 2012:
    Ja, man glaubts kaum, gestern noch im Königspalast (2. Bild mit Gastgeberin) und seit heute 10:30 Uhr RV-Zeit wieder dahoim im eigenen „castle“! Und das bei Regen und 6° Außentemperatur, der BOB-Zug ist gerade weg (kostet jetzt 3,10 € für die einfache Strecke) und der nächste kommt erst in einer halben Stunde, der Rucksack mit dem wärmenden Anorak gammelt irgenwo zwischen Frankfurt und FDH und wird mir wohl heut abendzugestellt weil ich vom Auslandsterminal zum Regionalterminal scheller unterwegs war als der Gepäcktransport. Euch nochmal vielen Dank für das low-budget-Reisen und die tollen Erlebnisse. Das schreit ganz laut nach mehr, die Planungen laufen bald an!! Eben kommt in den Mittagsnachrichten, dass heute vor Sumatra ein Beben (mit Tsunamiwarnung) der Stärka 8,nochwas war. Ich hoffe Ihr seid im Zug weit weg von der Küste!! Übrigens, mein Geld hat genau hingehauen: Mittagessen am Airport 40 Tsd., Taxi wie bekannt 300 Tsd. und Ausreiseairportgebühr 150 Tsd. Rupien, da hab ich dann die restlichen 7 Tsd rp (= 55 €cent) in einen Wohltatsstock gegeben. Also, hoffentlich bald wieder ein free Wi-Fi damit Ihr wieder schnell auf dem Laufenden seid und die ZAHLREICHEN Mails Eurer Freunde und fans lesen könnt. Tschau, keep on travelling, best regards vom wiederzuhause Babba!

  2. Ulrich P., 12 Apr 2012:
    Also da kommt doch ein Gefühl auf irgendwo zwischen Neid und Wehmut. Ihr wisst, daß ich vor gaaaanz langer Zeit in Sarawak / Nordborneo lebte. Da waren se auch alle so nett. Übrigens: mie zum Frühstück aus à la minute handgezogenen Nudeln und einem Kaffee ist der 3* – Genuß!! Ansonsten weiterhin viel Spaß.

  3. Lena und Bernd, 12 Apr 2012:
    Uns geht es gut, das Seebeben war weit von uns entfernt. Jedoch macht so etwas uns wieder bewusst, dass es daheim schon sicherer ist;-) Wir waren heut Morgen auf einem aktiven Vulkan im Vulkan!!!Dafür sind wir extra um 3:00Uhr früh aufgestanden…

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