Oman – oh Mann!

Fortbewegung: Flugzeug, Mietwagen
zurückgelegte Kilometer: 2.600
Reisezeit: 11 Tage im Dezember / Januar
Sonnentage: nicht eine Wolke gesichtet
Temperatur: angenehme und trockene 30 bis 32 Grad
Wildlife: Dromedare, Meeresschildkröten, Esel
Budget: NOCH AUSRECHNEN
Gesamtbewertung: Schulnote 2,0

 

Must see:

Wadis (Trockenflusstäler) sind die hydrogeologische Besonderheit im Oman. Immer findet man darin Schatten und Zuflucht vor der heißen Sonne. Stellenweise führen sie auch etwas Wasser und haben den Charakter einer Oase. Was kann es in diesem trockenen Land schöneres geben, als umringt von Palmen in natürlichen Pools zwischen den Felsen zu baden und der Hitze des Tages zu entfliehen? Besonders attraktiv (und auch viel besucht) ist das Wadi Tiwi, dessen Eingang nur per Boot über die kleine Bucht am Meer erreichbar ist. Der Wanderpfad führt an steilen Felsvorsprüngen oberhalb der Pools vorbei (was zu einem Sprung ins kühle Nass regelrecht einlädt) und endet nach einigen Kilometern an einem Geröllfeld. Wer hier zum Ursprung des Wassers weiter nach oben klettert ist mutterseelenallein. Mit einem 4×4 Fahrzeug bieten sich Wadis auch als Alternativroute zur Hauptstrasse an, denn oftmals führen Schotterpisten hinein (und mit etwas weitsichtiger Planung auch wieder heraus).

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Als Wahiba Sands wird ein Wüstengebiet bezeichnet, welches sich im Osten des Oman erstreckt. Hier leben viele Nomadenfamilien, die sich speziell auf die Zucht von Rennkamelen für die arabische Welt spezialisiert haben. Wir sind keine erfahrenen Off-Roader und haben auch nicht das passende 4×4 Fahrzeug für einen Trip in die Wüste. Aber so ein kleines bisschen Wüstenstaub wollen wir schon unter den Flip Flops verspüren. Also fahren wir bis zu jener Stelle, wo die Asphaltstraße ihr abruptes Ende findet und in einen Sandhighway übergeht. Den Blick und das Kameraobjektiv konsequent gen Westen gerichtet, erweckt es den Anschein, als stünden wir mitten in den Sands. Ein junger Beduine stoppt seinen Geländewagen neben uns. Klar, dass er ein lukratives Geschäft wittert und wir sind – in Anbetracht unserer bescheidenen Fertigkeiten – nicht abgeneigt. Seine Preisvorstellung für eine Stunde Wüstenspass ist mit 80 Euro allerdings weit überzogen. Lena zwingt den stolzen und hartnäckigen Beduinen bei den Preisverhandlungen in die Knie. Bei 40 Euro schlagen wir schließlich ein. Und ab geht die (Wüsten-)Post… Dune bashing macht Laune. In einem Affenzahn rasen wir die Dünen rauf und runter. Der Motor jault und jappst nach Luft. Schließlich sind wir auf der höchsten Düne angelangt. Der Beduine macht den Motor aus und legt sich neben seinem Auto auf die faule Haut. Mit einer Armbewegung signalisiert er noch, dass wir Fotos schießen und im Sand spielen sollen, dann verschwindet er mit einer gekonnten Seitwärtsrolle unter seinem Wagen im Schatten. Die Aussicht auf die Beduinencamps ist am Rande der Wüste mit Sicherheit gleichermaßen eindrucksvoll wie mittendrin. Etwas knurrig müht sich unser Beduinenfreund aus dem angenehmen Schatten heraus und setzt sich ans Steuer. Für ein Mittagsschläfchen haben wir schließlich nicht bezahlt. Die steile Düne rutscht der Wagen von alleine runter. Erst statten wir den Rennkamelen einen Besuch ab und dann ist die Familie dran. Im kühlen Beduinenzelt warten schon die Neffen und Nichten mit Datteln und Tee auf uns. Und ganz dezent macht man uns auf die Handarbeiten aufmerksam, die wir gerne käuflich erwerben können. Gegen ein Bakschisch ist auch ein Kamelritt drin. Dankend lehnen wir ab und genießen einfach nur die Stille und den schönen Blick nach draußen. Authentischer als die vielen Touristencamps ist dieser kleine Ausflug allemal…

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Ras al-Hadd ist das Mekka der Meeresschildkröten. Allabendlich suchen sie die langen Sandstrände zur Eiablage auf. Tickets für dieses Event müssen im Vorverkauf (fast schon ähnlicher einer Filmpremiere) organisiert werden. Nur eine limitierte Anzahl von Touristen darf den streng geschützten Strand betreten. Dennoch herrscht großer Andrang und wir sind in Sorge, dass die Tiere durch unsere Anwesenheit gestört werden. Und tatsächlich blitzen die ersten Touris munter auf die Schildkrötenbabys los, die in Plastikeimern präsentiert werden. Am Ende der Instruktion nehmen wir erleichtert zur Kenntnis, dass die Führer großen Wert darauf legen, die Meerestiere nicht zu stören oder zu erschrecken. Man droht sogar, dass beim ersten Blitzlicht die Show sofort vorbei sei. Dann setzt sich die Gruppe in Bewegung. Auf dem riesigen Sandstrand sind zwei Schildkröten gesichtet worden. Langsam pirschen wir uns heran. Solange die Eiablage nicht begonnen hat, sind die majestätischen Tiere sehr scheu und kehren sofort ins Meer zurück, sobald sie sich gestört fühlen. Erst wenn die Eier in den Sand fallen, sind die Tiere in einer Art Starre und dulden die Beobachtung aus nächster Nähe. Der Reihe nach darf jeder Teilnehmer einen Blick auf die 170 Kilo schwere Schildkröte werfen. Es ist ein bewegender Augenblick, zu sehen, wie schwerfällig es für das elegante Tier ist, die Eier in den Sand zu legen und anschließend zu verbuddeln. Unserem Guide bleibt es ein Rätsel, warum im omanischen Winter hunderte Touristen wegen zweier Schildkröten hierher kommen, während im Sommer Nacht für Nacht hunderte Tiere völlig unbeobachtet ihrem Arterhaltungstrieb nachkommen. Das dürfte an den heißen Temperaturen liegen, die für Europäer und Amis im Sommer kaum auszuhalten sind. Gut für die Schildkröten…

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Das Luftfahrtdrehkreuz Dubai ist Ausgangs- und Endpunkt unserer Reise. Auch wenn die Vereinigten Arabischen Emirate nicht das primäre Ziel sind, so nutzen wir doch am letzten Reisetag den Rückweg zum Flughafen für etwas Sightseeing. In der Oasen- und Grenzstadt Al Ain gibt es einen bekannten Kamelmarkt, der einen Besuch lohnt. Die Stallungen sind eine absolute Männerdomäne. Züchter treffen hier auf Käufer und beim Handeln herrscht ein rauer Umgangston. Wir beobachten amüsiert, wie die Muskelkraft von gleich zehn Männern erforderlich ist, um ein stures Kamel auf einen Lkw zu verladen. Die Geräusche, die es von sich gibt sind zum krummlachen und unterstreichen ausdrücklich den Widerwillen. Eine Hummerlimousine fährt vor und hält direkt neben einem Kamelgatter. Als die getönte Scheibe herunterfährt, erblicken wir einen mit Goldketten behangenen Scheich, der scheinbar vom Autositz aus die Kaufverhandlungen für ein neues Rennkamel führt. Der Kamelmarkt gewährt wahrlich einen tiefen Einblick in die arabische Seele und die Traditionen des Landes.

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Einen Schlenker über Abu Dhabi unternehmen wir der Grand Mosque wegen. Die nach Scheich Zayid benannte Moschee ist ein Wunderwerk der arabischen Baukunst. Selten haben wir eine so fantastische Kombination aus moderner und traditioneller Architektur erlebt. Das erst 2007 fertig gestellte Bauwerk zählt zu den größten Moscheen der Welt und ist Touristen ausnahmsweise frei zugänglich. Lena muss zwar einen schwarzen Umhang tragen und die Haare mit einer Kapuze verhüllen, aber dafür stehen uns alle Wege frei. Außerdem taugt sie in diesem Outfit prima als Fotomodell. Die hochstehende Sonne zaubert pittoreske Schattenspiele auf den gekachelten Marmorboden. Selten sind wir dem orientalischen Zauber von 1001 Nacht näher gekommen.

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Forget it:

Die Hatta Pools liegen direkt hinter der Grenze zu den VAE und sollen ein wunderbares Naturerlebnis sein. Wir freuen uns auf kristallklare Schwimmbecken in den kühlen Felsspalten. Nach der durchgemachten Nacht im Auto und den Reisestrapazen in den Knochen soll uns diese Erfrischung auf Touren bringen. Leider enttäuscht der erste Urlaubseindruck. Wir finden einen halbausgetrockneten Bachlauf vor. Kristallklar ist in den zwanzig Zentimeter tiefen Pfützen mal rein gar nix. Stattdessen finden wir Hinterlassenschaften in Form von Babywindeln, Coladosen und Sandwichverpackungen vor. Zumindest scheint hier ein beliebter Picknickplatz zu sein. Die Hitze muss einem ganz schön das Hirn durchkochen, wenn man in diesem Abwasser den freien Tag mit der Familie verbringt, denken wir und ziehen enttäuscht von dannen.

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Nicht gerade einladend – die Hatta „Pools“

 

Top:

Trotz der Kargheit der Landschaft und des trockenen Klimas herrscht keine Wasserknappheit, denn Hunderte von Wadis transportieren das Wasser aus den hochgelegenen Bergen des Hajar. So findet sich ständig eine Quelle oder ein Wasserhahn mit Trinkwasserqualität.

Die Menschen im Oman sind sehr freundlich, friedfertig und tolerant gegenüber Fremden. Angesichts des Terrors und der Gewalt im Nachbarstaat Jemen oder der Konservativität im benachbarten Saudi-Arabien ist dies keine Selbstverständlichkeit. Das alles ist Sultan Qabos zu verdanken. Er hat in England studiert, ist weltoffen und großzügig. Die Öldollars kommen dem Volk zugute und nicht nur einer Herrschaftselite. Die hervorragende Infrastruktur in Form von Straßen, Krankenhäusern und Bildungseinrichtungen sorgt für stabile politische Verhältnisse. Kein Wunder, dass quasi jede Moschee und jedes Krankenhaus den Namen des populären Herrschers trägt.

Die Konversation auf Englisch klappt zumindest mit den Jüngeren ohne Probleme.

Parkgebühren oder Eintrittsgelder sind im Oman eher die Ausnahme. Das schont das Budget enorm und ist wohl auch eine Art gute Gabe ans Volk.

Der Oman sitzt quasi an der Quelle des flüssigen Goldes. So kostet eine Tankfüllung gerade einmal zehn Euro. Kein Wunder, dass hier alle fette Autos fahren.

Der Lacher des Urlaubs überholt uns bei Tempo 140 links. Wir trauen unseren Augen kaum, als ein Pick-Up vorbeizieht, auf dessen Ladefläche tatsächlich ein Dromedar sitzt. Das Tier blickt entspannt in unsere Richtung, während die Ohren lässig im Wind flattern. Bernd hat große Mühe, das Lenkrad geradezuhalten und die Tränen zu trocknen.

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Wunderlich:

Der Oman ist ein Einwanderungsland für Arbeiter aus Entwicklungsländern wie Bangladesch und Pakistan. Auf der einen Seite ist es natürlich für diese Menschen wichtig, hier Arbeit zu finden und die Familien in der Heimat ernähren zu können. Andererseits hat sich im Oman eine krasse Zweiklassengesellschaft entwickelt. Die reichen Omani lassen die Drecksarbeit von den billigen Kräften aus Asien erledigen. In Containercamps oder Zeltlagern in der Nähe der vielen Straßenbaustellen hausen die Menschen zusammengepfercht. Es mag ein subjektives Gefühl sein, welches uns dazu verleitet, den Begriff „moderner Sklavenhandel“ mit den Zuständen im Oman (und auch den VAE) zu assoziieren. Jedenfalls erkennen wir keine Integrationsbemühungen und auch keine Wertschätzung. Wenn der gut betuchte Omani mit dem fetten SUV vor dem kleinen Coffeeshop anhält, ungeduldig auf die Hupe drückt und dann der dunkelhäutige Pakistani mit dem Kaffeebecher nach draußen geflitzt kommt, dann gibt einem das schon zu denken…

Im Oman herrscht – für arabische Verhältnisse – ein fortschrittliches Denken, was die Rolle der Frau in der Gesellschaft angeht. Frauen dürfen immerhin Auto fahren und arbeiten (in Saudi Arabien undenkbar). Dennoch sieht man keine Frauen auf der Straße. Und falls doch, dann immer komplett verschleiert in schwarzer Burka. Wir fragen uns, warum es allerorts kleine Shops mit der Aufschrift „Ladies Taylor“ gibt, wenn doch alle Frauen uniform gekleidet sind.

Sämtliche Überlandstraßen und Autobahnen sind nachts beleuchtet und ein Indiz für die immer sprudelnden Energiereserven in Form von Erdöl und -gas. Was für eine unglaubliche Verschwendung…

McDonalds gibt es nicht. Wahrscheinlich ginge das in punkto Toleranz und Offenheit doch zu weit. Stattdessen kann man im „Hungry Bunny“ den westlichen Gelüsten nach Fastfood frönen.

Kreisverkehre scheinen eine Art städtisches Statussymbol zu sein. Vielleicht gibt es ja auch einen interkommunalen Wettbewerb um den schönsten aller Kreisel – wer weiß!? Jedenfalls kommen diese mehrspurigen Verkehrsinseln gerne auch mal mit künstlichen Wasserfällen, englischem Rasen, einem Palast in der Mitte oder einem gigantischen Triumphbogen daher. Mit der Pflege der Grünanlagen sind stets dutzende Gastarbeiter beschäftigt. Der Haken: Die parkähnlichen Gebilde können von niemandem genutzt werden, denn es gibt keine Zuwegung. Wir mutmaßen, dass der einzige Zweck der Erzückung des menschlichen Auges dient. Und wie es funktioniert…!

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Gewaltige Triumphbögen im Nirgendwo – der Sinn hat sich uns nicht erschlossen…

Im Oman werden Autobahnen durch Gegenden gebaut, die zuvor noch nicht einmal über eine Staubstraße erreichbar waren. Es scheint ein gewaltiges Entwicklungsprogramm im Gange zu sein, bei dem der volkswirtschaftliche Gesamtnutzen und die Kosten überhaupt keine Rolle spielen. Im Nirgendwo stoßen wir auf Straßen, die auf unserer brandneuen Karte noch nicht einmal verzeichnet sind. Dafür enden diese monströsen Verkehrswege dann auch gerne einmal nach kilometerlanger Fahrt in einer Sackgasse.

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Alkohol ist im ganzen Land nicht zu kriegen. Höchstens an den Bars der wenigen Touristenhotels. Aber so verzweifelt sind wir dann doch nicht…

Wer mit dem Gedanken spielt, den Oman mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bereisen, sei gewarnt. Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist es ziemlich einmalig für ein Land, dass Öffis non-existent sind. Es gibt keine Eisenbahnen und keine Linienbusse. Nur zwischen den ganz großen Städten verkehren eine Handvoll Fernbusse. Wer sich über Land fortbewegen will, ist auf Sammeltaxis angewiesen, die meistens in Form alter Mercedes Benz Limousinen daherkommen.

 

Nervig:

Die Straßenbeschilderung ist entweder unlogisch, chaotisch oder lückenhaft. Wer – wie wir – ohne Navi reist sollte sich auf eine Menge Frust einstellen.

Das Auto genießt immer Vorfahrt und erinnert an die verfehlte europäische Verkehrspolitik der 70er und 80er Jahre. Autobahnen zerschneiden ganze Dörfer. In Ermangelung von Unter- oder Überführungen müssen die Dorfbewohner waghalsig zu Fuß die Fahrbahn überqueren. Selbst am nächtlichen Strand ist man vor den Attacken der SUV’s nicht gefeit (wir berichteten). Die Höchstgeschwindigkeit spielt trotz strikter Radarüberwachung für die meisten Omani keine tragende Rolle.

Dass Frauen unterprivilegiert sind äußert sich bei vielen Sachverhalten. So dürfen beispielsweise Thermalquellen von ihnen nicht benutzt werden. Alles wird unter Männern geregelt – auch das Erkundigen nach dem rechten Weg.

An vielen Stellen türmt sich der Müll. Es ist zu vermuten, dass diese negative Erscheinung eine Folge der Zuwanderung durch Gastarbeiter darstellt. Zumindest können wir beobachten, wie Gastarbeiterfamilien Berge von Müll nach dem Strandpicknick in der schönen Natur zurücklassen.

Die touristische Unerschlossenheit des Oman hat gewiss ihre Vorzüge und Reize. Auf der anderen Seite fehlen Annehmlichkeiten wie Strandbars, Supermärkte, Straßencafes und Wifi gelegentlich enorm. Kulinarisch hätte der Oman ja einiges zu bieten, wenn es denn Einkaufsmöglichkeiten oder Restaurants in den Dörfern gäbe. So sind wir leider allzu oft auf Pasta mit Tomatensauce angewiesen *würg*…

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