Man reist nicht nur um anzukommen, sondern vor allem, um unterwegs zu sein (Goethe)

„Wir haben es sehr eilig!“ und um diese Tatsache noch zu verdeutlichen, ahmen wir mit einer diagonal nach oben verlaufenden Handbewegung ein startendes Flugzeug nach. Der Tuk-Tuk-Fahrer begreift und gibt Gummi. Der Nachtzug aus Surat Thani hat uns mit zwei Stunden Verspätung ans Ziel gebracht, so dass uns jetzt nur noch knapp 60 Minuten bis zur Schließung des Check-in am Flughafen bleiben. In James-Bond-Manier rast unser Tuk-Tuk durch die Häuserschluchten von Bangkok, Einbahnstraßen entgegen, auf nicht vorhandener Mittelfahrbahn zwischen den Wagenkolonnen hindurch und mit Senkrechtstart auf zwei von drei Rädern. Unser Sichtfeld ist durch unsere Rucksäcke stark eingeschränkt, aber irgendwann erkennen wir die rettende S-Bahn-Station. Ganz knapp erreichen wir die Maschine auf die Philippinen. Das wäre geschafft! 

Als wir im Hotel ankommen atmen wir tief durch. Hinter uns liegen mehr als 30 Stunden Fahrt mit Taxi, Schiff, Minibus, Omnibus, Nachtzug, Tuk-Tuk, S-Bahn, Flieger und Jeepney.
Trotz der Strapazen ist es insgesamt eine angenehme Reise. Jeder von uns erwischt einige Stunden Schlaf in der Nachtzugkoje. Vom geöffneten Fenster eröffnet sich ein Blick auf den sternenklaren Nachthimmel, wo just eine lange Sternschnuppe kometenhaft am Horizont verglüht. Das Rattern und Rumpeln der Achsen und die gleichmäßigen Schienenstöße wiegen uns in sanfte Träume. Der etwas oberflächliche Schlaf wird nur gelegentlich von störenden Elementen wie schreienden Verkäuferinnen (wer will um 2 Uhr nachts eine warme Mahlzeit?) oder einer Bahnsteigschlägerei auf einer Dorfstation im Nirgendwo unterbrochen.
Die Stadt Clark auf der Insel Cebu haben wir uns nicht etwa wegen des größten Rotlichtviertels des Landes zum Ziel gesetzt, sondern wegen des Vulkan Pinatobu, dessen Kratersee wir am nächsten Morgen erklimmen wollen. Um 04:30 Uhr klingelt der Wecker und wie gerädert quälen wir uns aus dem Bett. Den Gedanken, wieder unter die Bettdecke zu kriechen, bekämpfen wir erfolgreich und so treten wir dann die zweistündige Reise zum Ausgangspunkt der Tour an. Dort werden wir auf die Ladefläche eines klapprigen Jeeps verfrachtet – und ab geht die wilde Fahrt durch Schlamm und Geröll, immer dem Bett eines Flusses folgend. Die letzten beiden Stunden müssen wir zu Fuß zurücklegen, da die Regenfälle der Vortage diesen Abschnitt unpassierbar gemacht haben. Kurz nach 10:00 Uhr erreichen wir endlich den Vulkansee. Uns bleibt nur eine halbe Stunde Zeit, da das Wetter umschlägt. Die Zeit reicht aber für einen beherzten Sprung in das herrlich erfrischende Nass…

Hier seht ihr Bernd’s Zeit, die zwischen jung und mittelalt liegt. Lena’s Zeit ist weit über dem Limit und entspricht in etwa einer 80jährigen Oma (man muss zugeben, dass die Vorgaben sehr sportlich bemessen sind).


In Kraterseen springt Bernd ja öfters mal rein…


Mit dem Offroad-Express durchs Gelände


Sieht aus wie eine Taliban-Entführung in Pakistan, ist letztlich aber doch eine harmlose Touristentour.

 

3 Gedanken zu „Man reist nicht nur um anzukommen, sondern vor allem, um unterwegs zu sein (Goethe)

  1. Lena, 05 Jul 2012:
    Vielen Dank lieber Bernd, dass du dich ohne mein Einverständnis über mich lustig machst;-) Das bekommst du zurück, und zwar dann wenn du schon gar nicht mehr damit rechnest!!! Hättest ja auch erwähnen können, dassdie „normalen“ Touristen bis vor das blöde Schild gekarrt werden und dann locker flockig mit ner prima Zeit durch die glitschigen Steine klettern können. Unsereins musste aber vorher bereits 2 Stunden durch Geröll, Kiesel und Sand den Weg nach oben schaffen! So, und dann hättest auch noch erwähnen können, dass der Belgier für den Abschnitt über 35Minuten gebraucht hat und wir somit die Allerersten am Gipfel waren…und das mit 80 😉

  2. Thommy, 10 Jul 2012:
    Euer Taxifahrer hat so einen vertrauenserweckend freundlichen, fast schon übertrieben herzlichen Blick drauf – gute Wahl! 🙂 Was war da los Lena? Du hattest ja tatsächlich mal deinen Wanderstecken dabei 🙂

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