Ein 9.289 Kilometer langer Traum wird wahr

Fortbewegung: Transsib, Flugzeug, Bus, Tram, Metro, Taxi, Hundeschlitten
zurückgelegte Kilometer: 12.033
Zeitraum: 23 Tage im November und Dezember
Tage unterwegs: 6 Tage und 8 Nächte im Zug
Sonnentage: jeden Tag blauer Himmel
Temperatur: Vladivostok angenehme 0 Grad, Irkutsk kühle -25 Grad, Moskau erträgliche -15 Grad, St. Petersburg eisige -18 Grad
Budget: 40 Euro pro Person und Tag
Unterkünfte: viele Nächte auf Schienen, Couchsurfing in Vladivostok, Hostels in Irkutsk, Moskau und St. Petersburg
Gesamtbewertung: Schulnote 2,0

Weltreise Russland

must-sees:
Wir können eine Winterreise durch Russland „wärmstens“ empfehlen. Nicht nur, dass Tickets für die Transsib viel leichter zu ergattern sind, die mit Puderzucker überzogene Landschaft der sibirischen Taiga sieht einfach viel schöner als im Sommer aus. Während im Zug mollig warme Temperaturen herrschen, ist es draussen extrem kalt. Die Eiskristalle brechen das weiche Licht der tief stehenden Abendsonne und der aufgewirbelte Schnee staubt an den Fensterscheiben vorbei – ein Wintermärchen…

Besonders schön im Winter ist der Baikalsee, der größte Süßwasserspeicher der Erde. Ab Mitte Dezember gefriert er komplett zu. Kein Baikalbesuch ohne „Omul“ lautet ein ungeschriebenes Gesetz – und wahrlich: der Omul ist der beste Räucherfisch, der uns jemals untergekommen ist. Zahlreiche Omule mussten ihr Leben lassen um uns durch den harten sibirischen Winter zu bringen. Der kulinarische Höhepunkt ist der kleine Fischmarkt in Listvjanka. In einer beheizten Holzhütte schmeckt der warme Räucherfisch Omul zu einer Tasse heißem Tee besonders lecker…

Schon tausendmal auf Fotos gesehen und doch beeindruckend: Der Rote Platz in Moskau mit dem Kreml und der Basilius-Kathedrale. Einzig die Umrundung der Kremlmauer bei Minus 15 Grad und eisigem Wind solltet ihr nicht nachmachen!

Moskaus Metro ist ein echtes Schmuckstück. Sie zählt nicht nur zu den ältesten, tiefsten und meistfrequentiertesten U-Bahnsystemen der Welt – sie ist auch noch die Schönste… Die Stationen gleichen unterirdischen Palästen. Leider ist Fotografieren streng verboten – doch beim Reiz des Verbotenen juckt dem Fotografen der Finger umso mehr am Auslöser 🙂

forget-it:
Ok, es liegt nicht am Mariinsky Theater in St. Petersburg persönlich. Es war uns eigentlich auch vorher schon klar, dass Opern nicht unser Ding sind. Haken wir die zweistündige Veranstaltung also unter der Rubrik „muss man einmal im Leben gemacht haben“ ab. Ironie des Schicksals: Die Oper von Wagner wird auf Deutsch gesungen. Während die Russen den Gesang mittels LED-Anzeige ins kyrillische übersetzt bekommen, verstehen wir kein einziges Wort unserer Muttersprache.

top:
Die Russen sind sehr anständig und höflich. Wer Wodka saufende Barbaren erwartet, die zu russischer Folklore durch den Zug tanzen und laut grölen, wird positiv enttäuscht. Diese Typen haben wir in Vietnam kennen- und hassengelernt. In ihrem eigenen Land sind sie sehr ruhige und überaus nette Zeitgenossen. Im Zug wird geplaudert, Tee getrunken und geschlafen. Von Alkohol keine Spur. Oder trinkt der Russe doch heimlich unter der Bettdecke?

wunderlich:
Russland ist kitschig. Russland ist pompös. Und Russland ist exklusiv. Ein Einkaufsbummel durch das Warenhaus GUM am roten Platz verstärkt diese Einrücke, denn da stöckeln die reichen Damen mit ihren Pelzmäntelchen und ihren Prada-Handtäschchen durch die Boutiquen, während draußen die Limousine wartet.

nervig:
Ärger mit der Transportpolizei gibt es ständig. Wer Bahnanlagen oder Züge fotografiert lebt in ständiger Angst vor dieser uniformierten Spezies. Dumm stellen und kein Wort Russisch sprechen hilft aber in den meisten Fällen…

Wir treffen Alexander, unseren russischen Mitreisenden in Moskau wieder. Er will uns seinen Arbeitsplatz, die berühmte Lomonossow-Universität zeigen. Doch man will uns am Haupteingang keinen Besucherausweis ausstellen und verweist uns an das Büro des Sicherheitschefs. Der fühlt sich auch nicht zuständig und schickt uns wieder zurück. Es folgt eine Odyssee durch das Gebäude, die an Asterix und Obelix auf der Suche nach Passierschein A38 erinnert. Macht nix, von außen ist die Uni mit ihrer Sowjetarchitektur auch sehr imposant anzuschauen. Die spinnen die Römer äh Russen….

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