Blind Date

Wenn man eine Person nur von einem Foto und aus Briefen kennt, dann ist man besonders aufgeregt und neugierig, wenn der Tag gekommen ist, diese Person endlich kennenzulernen. Ganz genauso geht es der anderen Person. Das ganze Dorf weiß Bescheid und die große Familie erwartet uns. Der Papa nimmt sich extra einige Stunden von der Arbeit frei, die Mama ist schon seit Tagen aufgeregt, ob wir ihr Essen auch mögen und der kleine Bruder hat sich heimlich aus der Schule gestohlen. Endlich ist der Tag gekommen an dem wir unser Patenkind Sandra aus Equador kennenlernen sollten.

Als das Auto von „Plan International“ durch das Dorf fährt, werden uns von allen Seiten neugierige Blicke zugeworfen. Im – auf Stelzen gebauten Holzhaus – sind von der Oma über sämtliche Tanten, Onkels, Cousinen und Nachbarn alle versammelt, um uns zu sehen und um unbedingt ein Foto mit uns zu machen. Für die Kinder haben wir Geschenke dabei. Es ist ein zauberhafter Moment, das Lächeln in ihren Gesichtern zu erblicken. Die Mama hat ein leckeres Essen zubereitet und so sitzen wir den ganzen Mittag beisammen und schwatzen. Dank der Übersetzerin von Plan sind die sprachlichen Barrieren schnell überwunden. Es erstaunt uns, dass mancher Ekuadorianer mehr Kenntnisse über deutschen Fußball und die Bundesliga hat als wir. Sandras Familie lacht sich schlapp, als wir erzählen, dass bei uns zu Hause der Weihnachtsbaum oft erst am Heiligabend aufgestellt wird. Das sei ja völlig irre, so ein großer Aufwand kurz vor knapp, da bleibt ja kaum Zeit ihn richtig anzuschauen bis Weihnachten vorbei ist… Hierzulande stellt man den mit Blinklichtern und glitzernden Girlanden überzogenen Plastikbaum bereits Ende November auf – und wenn´s sein muss dann bleibt er auch mal bis in den März hinein stehen, wie wir von Sandras Tante erfahren.

Wir lernen das einfache – aber glückliche – Leben der Menschen in Equador’s Provinz „Manabi Norte“ kenen und verbringen einen außergewöhnlichen Nachmittag mit Sandra und ihrer Familie. Und auch wenn Sandra ziemlich schüchtern ist, haben wir doch das Gefühl, dass sie an diesem Tag sehr glücklich wirkt. Schließlich ist der Besuch der Pateneltern ein außergewöhnliches Ereignis – und es war ihr sehnlichster Wunsch, wie sie uns in ihrem letzten Brief geschrieben hatte. Wir verabschieden uns schweren Herzens. Ob wir uns wohl jemals wiedersehen werden? Uns bleibt jedenfalls das gute Gefühl, zu wissen, dass Plan International die Spendengelder vor Ort sinnvoll einsetzt und sie den Menschen in dieser armen Gegend auch wirklich zugute kommen.

6 Gedanken zu „Blind Date

  1. Pappa Til, 22 Dez 2011:
    Das sind ja wohl tolle Weihnachten, da geht eim das Herz auf! Schade, nur weiß kein Betrachter welches Euer Patenkind ist, vermutlich das bei Pappa Bernd! Und wo ist der Weihnachtsbaum? Ist das für die „Normalfamilie“ zu teuer? Und man sieht nur Frauen und Kinder, ist das immer so, halten sich Männer scheu zurück oder sind die beim Schaffe? Weiterhin schöne Ferien, Festbrief folgt, Grüße von Tilmann

  2. Lena und Bernd, 22 Dez 2011:
    mhhh, stimmt….wir haben echt nicht verraten welche es ist…das Mädchen neben Lena mit dem rosa T-shirt!, das ist Sandra.Die Kleine bei Bernd ist die Schwester. Der Junge auf dem Bild der Bruder und hinten links der Papa…die restlichen Männer waren tatsächlich alle beim Arbeiten. Der Rest sind Tanten, Cousinen, Nachbarinnen. Und der Weihnachtsbaum steht nicht wie bei uns im Haus, sonder davor….dann haben auch die anderen was davon 😉

  3. Siegi, 24 Dez 2011:
    Hallo Ihr Zwei, wie immer bin ich sehr angetan von Euren Berichten. Ein Patenkind? Das wusste ich gar nicht. Finde ich wahnsinnig toll. Es sind wunderschöne Bilder die Ihr uns wieder zugänglich gemacht haben. Liebe Lena, lieber Bernd. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen ein fröhliches und gesegnestes Weihnachtsfest. Einen guten Rutsch ins neue Jahr und vor allem das Ihr gesund wieder kommt. Siegi – Ganz herzliche Grüße von Andrea

  4. Alfons, 24 Dez 2011:
    Hallo ihr zwei, ich lese immer gespannt eure schönen Reiseberichte. Ich und die Familie Wißler wünsche euch ein frohes gesegenetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr kommt Gesund wieder. Opa Alfons

  5. Patricia Fiderer, 31 Dez 2011:
    Hallo Ihr 2! Der Bericht mit diesem Bild ist heute in der Schwäbischen!! Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ein tolles Jahr 2012 und weiterhin viel Spass bei euerer Tour. Grüßle aus dem verschneiten Oberzell.

  6. Lena und Bernd, 31 Dez 2011:
    Hallo Patricia, danke für den Hinweis. Ist ja witzig, wir wussten gar nicht, dass die Schwäbische den Bericht abdruckt. Hat Plan International organisiert, bissle Publicity ist ja immer gut 🙂 Schöne Grüße Lena und Bernd

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